Frittenbude mischen das Weltruf auf

Mit dem Basslaster in der Friteuse

 

Kiel – Das Weltruf, bislang im Konzertquerschnitt eher für skandinavische Befindlichkeitsträger, amerikanische Folk-Exegeten, generell geschmackvolle Leisetreter bekannt geworden, darf seit dem Maifeiertag auch ein Häkchen hinter „Electro-Punk-Rave bis zur kompletten Zerlegung“ setzen. Verantwortlich sind die drei Bengel von Frittenbude mit der Extraportion Bass in der Friteuse.

„Das Basslaster exportiert die Hirndisco“, bellen Johannes alias Rüdiger Streuner, Martin alias Josef Utzenbacher und Jakob alias Schranz Beckenhauer in die Mikros. Tieftongewitter aus dem Rechner setzt ein, und der proppevolle Laden steht Kopf. Selten hat das Weltruf eine solch begeisterungsfähige Menge gesehen. Und es wären noch deutlich mehr geworden, wenn nicht an der Tür eine Ausweiskontrolle maßlos enttäuschte U18-Bürger ausgesiebt hätte.

Deutlich älter sind die Möchtegern-Raver im Durchschnitt jedoch nicht. Schweißgebadet, verkörpern sie unbändige Tanzwut, schreien ihre Gesichter zu Fratzen, vollführen Crowdsurfing vor dem Schiffsbug, während hibbelige Dancing Queens die beiden Treppenaufgänge belagern und Blicke erhaschen wollen. Die drei Wahlmünchner kümmert das alles herzlich wenig. Zumindest lassen sie gerne gewähren, präsentieren sich ohnehin über alle Maßen übermütig, selbstironisch und selbstverliebt. Spaß ist nun mal, was man draus macht – da drängt sich Party-Hedonismus in Kombination mit ein bisschen Teenage Riot geradezu auf.

„Das Basslaster drischt bis zum Puppillendrill den Bass, dass er nur noch killen will / Und was nicht ist, das kann dann werden für Pandabärinnen und Pandabären.“ So klingt es, wenn Rüdiger Streuner den Single-Hit „Pandabär“ anstimmt. Im adäquaten HipHop-Style – Kindersonnenbrille, Cap, Dreitagebart und weißes Handtuch um die Schulter – stachelt er mit hysterisch-rotzigem Gesang zum Mitgrölen an, hält bei „Elektrofikkkke“ den Mikroständer wie eine Angel in den berauschten Mob und punktet selbst mit Plattitüden à la „Wir wollen die Freiheit der Welt und Straßen aus Zucker“. Josef Utzenbacher malträtiert dazu beinahe ungehört die Gitarre, während Schranz Beckenhauer an Drumcomputer und Synthies für das Songwriting-Ass sorgt: Bassdruck auf die volle Zählzeit, immer weiter steigernd für ein feistes Clubgefühl und dem Drang zum Ausrasten.

Bei Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ lassen die Münchner Acid regnen („Hildegard“). Aus dem Album „Nachtigall“ spielen sie ohnehin fast sämtliche Songs: den für glücklich Verliebte („Es dreht sich alles um uns beide“), für unglücklich Verliebte („Das Licht“), für die Mainstream-Pop-Attacke („Mindestens in 1000 Jahren“), immer nach dem Motto: „Für euch, für uns, für alle“. Wenn Streuner im Bassrausch fleht: „Jakob, lass die Liebe nicht verebben!“, dann muss man als objektiver Zuschauer unweigerlich grinsen. Nach einer Dreiviertelstunde ist das eigene Pulver verschossen, also müssen die Kollegen von Egotronic oder Plemo ihr Material zur Verfügung stellen. Ob es sich um ein singuläres, saisonales Phänomen handelt oder doch pandemische Ausmaße annimmt, wird sich am 16. Mai zeigen, wenn mit Bondage Fairies aus Schweden die nächste Band aus dem Audiolith-Stall das Weltruf entert.