Frittenbude kommen ins Weltruf

Fette Bässe aus der Frittenbude

 

Kiel – „Feiern war schon immer der Ausgleich zum normalen Leben. Man tanzt ja nicht aus Protest, sondern ist angepisst und geht feiern, um einen Abstand zu bekommen und den Kopf klar zu kriegen.“ Angetrieben von einer ordentlichen Portion Aggression und Zwanglosigkeit bastelt Johannes gemeinsam mit Jakob und Martin am Soundtrack dieses „Jetzt-erst-recht“-Films. Am Freitag gastieren sie als Frittenbude im Kieler Weltruf.

Johannes ist der Sänger von Frittenbude, wird jedoch lieber Rüdiger Streuner genannt. Ähnlich wie beim Bandnamen sind auch die kreativen Alter Egos – die beiden Kollegen hören auf Josef Utzenbacher und Schranz Beckenhauer – Teil des selbstironischen Gesamtkonzepts. Zu dritt pflügen die Wahlmünchner zwischen 22 bis 27 Jahren durch Electro-, Techno- und HipHop-Gefilde, zitieren und rezitieren dabei kompromisslos Versatzstücke und fügen alles zu einem bunten Kirmeszelt mit Bass und Wumms zusammen. Den Verdacht, dass es den Jungs in erster Linie um Party-Hedonismus und ein bisschen Teenage Riot geht, kann Johannes größtenteils bestätigen: „Der Spaß steht im Vordergrund. Aber wenn man politisch etwas zu sagen hat, dann sollte das auch passieren.“

Anscheinend haben Frittenbude damit bei der feierwilligen Jugend einen Nerv getroffen: Im Zuge des Remmidemmis um Deichkind oder Mediengruppe Telekommander stehen die Veröffentlichungen von Audiolith Records immer höher im Kurs. Starthilfe bekamen Frittenbude vor allem von Egotronic, die auch beim Hamburger Label unter Vertrag stehen: „Wir verdanken ihnen viel. Uns verbindet keine Bandfreundschaft, sondern Liebe!“

Der oft gezogene Vergleich zu Deichkind liegt aufgrund des Sprechgesangs nahe, doch Frittenbude sehen sich nicht als Trittbrettfahrer. „Vor zwei Jahren waren es deutlich weniger Zuschauer, aber es ging genauso ab“, beschreibt Johannes den Werdegang ihres Sounds und die damit verbundene Attitüde. „Durch den Remix für Kettcar sind neue Leute auf uns aufmerksam geworden. Sicherlich kommt nicht jeder Kettcar-Fan auf uns klar, aber die sind überwiegend open-minded.“

Die Vorgeschichte: In Anlehnung an Kettcars „Graceland“ entstand der Song „Raveland“, der nicht auf dem Album „Nachtigall“ erschienen war. Die Hamburger um Bandleader Marcus Wiebusch ließen nicht lange mit einer Retourkutsche auf sich warten und interpretierten den Frittenbude-Hit „Mindestens in 1000 Jahren“ anschließend in Kettcar-Manier.

Die Wortdreher sind generell ein beliebtes Stilmerkmal auf „Nachtigall“, das bewusst Reibungsfläche bietet und aneckt, ohne jedoch die Botschaft zu vernachlässigen. So lässt das Münchner Trio in Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ Acid regnen, verlangt darüber hinaus eine Welt, die sich bunter gestaltet und ihre Farben nicht für sich behält.

Seit Anfang des Jahres touren Frittenbude an den Wochenenden durchs Land, bringen den Electro-Punk-Husarenritt mit Hilfe von Gitarre, Drumcomputer, PC und dreifachem Gesang auf die Bühne. Was dabei nicht fehlen darf: der Pandabär, ihr Party-Maskottchen.

Freitag, 21.30 Uhr, Weltruf (Lange Reihe 21-23), anschließend: British.Music.Club (Berlin)