Fuzz Manta in der Schaubude

Roadtrip in die dänische Garagenszene

 

Kiel – Demnächst wird im finnischen Oulu wieder die Luftgitarren-Weltmeisterschaft ausgetragen. Erwachsene Männer derwischen dann mit einer imaginären E-Gitarre und vollem Körpereinsatz pantomimisch über eine Bühne. 2008 siegte übrigens der Amerikaner Craig „Hot Lixx Hulahan“ Billmeier mit 35,5 Punkten vor einem Niederländer und einem Kanadier. Heißer Tipp für die diesjährige Musikuntermalung: Fuzz Mantas komplettes Debütalbum „Smokerings“.

Wer ohnehin schon immer das Gefühl hatte, einige Jahrzehnte zu spät geboren zu sein, ist bei den Dänen bestens aufgehoben. Psychedelisch infizierter Hard Rock, Blues und Stoner Rock prägen die Songs, mit denen sie auf ihrer Tour durch Deutschland zum wiederholten Mal die Schaubude ansteuern. Das Spannungsfeld der Einflüsse reicht von Led Zeppelin, Deep Purple und Grand Funk Railroad bis zu Black Sabbath und Whitesnake. Alles Bands, die mehrheitlich in den Siebziger Jahren ihre Blütezeit hatten. Ein wahres Eldorado für Gitarristen und solche, die es gerne wären.

Selbstredend weist die Besetzung des Kopenhagener Quintetts gleich zwei Leadgitarren auf. Morgan Cederborg und Frederik Jensen bauen ein Riff an das nächste, gniedeln mit schmerzverzerrtem Gesicht und haben sich eine hohe B-Note redlich verdient. Bisweilen machen die beiden einen Radau wie ein ausgebuchter Workshop „Rock-Gitarre für Fortgeschrittene“.

In der Schaubude erfreuen sich 15, vielleicht 20 Anachronisten an dem beruhigenden Gefühl, dass Fuzz Manta weder Rock noch Rad neu erfinden, sondern es sich mit ihrem unzeitgemäßen Heavy-Hippie-Sound bequem gemacht haben. Die nötigen Erfahrungen konnten die Mitglieder in etlichen verwandten Bands (The Davolinas, Cherry Overdrive oder Triggerbells) sammeln – was beweist, wie stark die Rock- und Garagenszene der dänischen Hauptstadt verzweigt ist.

Neben dem dynamischen Spiel der Rhythmusgruppe (Bassist Morten Clod-Svensson und Per Nielsen an den Drums) werden die oft siebenminütigen Roadtrips ganz entscheidend von Lene Kjær Hvillum bestimmt. Die Frontfrau ist zwar klein gewachsen, aber was für eine Stimme: Charismatisch, kehlig-expressiv, und so rau und kräftig, als sei Hvillum als Kind in ein Fass mit Whiskey und Tabak gefallen. Dementsprechend provoziert sie den Vergleich mit Janis Joplin, indem sie beileibe nicht immer perfekt intoniert, aber ungemein leidenschaftlich. Vor allem nimmt man ihr die Identifikation mit ihrer Musik mehr ab als manchem ihrer männlichen Sängerkollegen. Da ist nichts Aufgesetztes in ihrer Bühnenperformance, man spürt den Rock von Herzen.

Im Song „Mysterious Thoughts“ treibt sie den Blues-Rock nach vorne, nimmt anschließend bei „Who Sees You“ bewusst das Tempo heraus und doppelt beim Höhepunkt „Night Fright“ sogar die Solo-Melodie der Gitarre. Nielsen zischelt dazu bedrohlich mit den Becken, und gemeinsam steigern sich Fuzz Manta in einen psychedelischen Rausch. Es geht nicht um eine Verherrlichung einer Musik-Ära, wie es der Albumname suggeriert. Die fünf Kopenhagener sind lediglich der Ansicht, dass einige entscheidende Werte einen noch höheren Stellenwert hatten.