GaryXnoff im Luna

 

Charakteristisch für das Konzert von GaryXnoff im Luna fiel der Kommentar eines weiblichen Gastes aus: „Der muss keine Wärmflasche mit ins Bett nehmen“. Will sagen: Der Protagonist des Abends schöpfte bezüglich männlichem Sexappeal aus den Vollen und ließ zumindest die versammelten Damenherzen höher schlagen. Perfekt muskulöser Körper, ein verrucht-stylisches Outfit und obendrein sein charmantes Siegerlächeln – wow!

Doch die Musik von Gary Krossnoff, 29-jähriger Wahl-Hamburger mit kanadischen Wurzeln, und seiner fünfköpfigen Begleitband gehört nicht in einen Club, sondern auf die großen Bühnen, schreit förmlich nach Veranstaltungen wie der Kieler Woche. Klotzen statt kleckern bis ins kleinste Detail: roter Nightliner vor der Tür, Zahl der Instrumente gleicht einem Musikalienhandel, computergesteuertes Abmischen für besten Sound und die passende Lightshow sprechen eine deutliche Sprache – 20 zahlende Besucher eine andere.

Mit „XRock“ - einer Mischung aus kraftvollem Elektro-Rock und sanftem Pop - richtete sich die zusammengewürfelte Band eine eigene Schublade ein, um sich am Markt zu positionieren. Am besten verkörperte der Song „In my eyes“ diesen Klangbastard, wenn das Synthie-Keyboard (Arne Augustin) die Strophe dominiert, im Refrain jedoch die verzerrten Gitarren (Andreas Dopp, Torben Widdermann) aufdrehen. Nicht unbedingt die Neuerfindung des Rads, aber bewährt.

Die stimmigen Arrangements strahlten eine absolute Professionalität aus, so dass selbst das Gefälle zwischen Sänger und Band bewusst eingesetzt schien. Zwar durfte Dopp bei Lenny Kravitz’ „Black velveteen“ mit einem Gitarrensolo glänzen, doch im Grunde lief eine One-Man-Show mit Begleitung ab. Im Publikum munkelte man sogar, dass Krosnoff mit seiner vitalen und variablen Stimme auch Karaoke hätte singen können, ohne dass es uninteressanter gewesen wäre. Bei den Taschentuch-Balladen „Heaven’s high“, „Don’t look back“ und „I want U 2 know“ zeigte der Super-Beau mit theatralischen Gesten seine weiche Seite.

Manko: Bei all der Professionalität nahm man ihm die dargestellten Emotionen nicht ganz ab. Zu glatt, zu perfekt und zu aufgesetzt erschien dieser Programmpunkt. Oder war es nur männlicher Neid? Ein Merchandising-Artikel bestand in einem roten String-Tanga mit eingraviertem Bandlogo, wodurch die bevorzugte Zielgruppe manifestiert werden soll. Den Status eines Newcomers wird GaryXnoff sicherlich bald verlassen – auf die Damen ist Verlass!