Glory Gospel Singers feierten in der Petruskirche einen speziellen Gottesdienst


Sie gingen, wie sie zwei Stunden zuvor gekommen waren: Rhythmisch klatschend und mit einem beseelten "Hallelujah" auf den Lippen durchquerten die Glory Gospel Singers das Kirchenschiff der Petruskirche und entließen das Publikum nach einem Gottesdienst der besonderen Art begeistert in den Abend.

Fünf Solisten und ein Keyboarder – aus einem Pool von 70 Sänger und Sängerinnen der weltberühmten New Yorker Formation – demonstrierten in Kiel die einzigartige Lebendigkeit der schwarzen amerikanischen Kirchenkultur. Mit Liedern, die erfüllt sind von Leidenschaft, Liebe und Inspiration brachten sie ihren tief verwurzelten Glauben sowie die überlieferten Erinnerungen an die Zeit der Sklaverei zum Ausdruck, durch die Gospels entstanden sind. Bereits nach dem ersten Song schienen die zu drei Vierteln gefüllten Reihen ein Spielball der Glory Gospel Singers, klatschten frenetisch mit und gingen völlig auf in gesanglicher Schönheit.

Die zwei Herren und drei Damen, komplett in schwarz gehüllt, verfügten allesamt über Stimmqualitäten, von denen sich ein Max, Alexander oder eine Elli nicht nur ein kleines Stück abschneiden sollten: samtenes Timbre, dabei trotzdem kraftvoll, perfekt gesetzte Kolloraturen, Mehrstimmigkeit und chromatische Rückungen, verblüffend mühelos vorgetragen. Besonders We Shall Overcome oder Kumbaya, My Lord unplugged sowie die Solo-Stücke zeigten die New Yorker in ihrer ganzen Pracht, da hier das Publikum ergriffen war und gebannte Aufmerksamkeit schenkte. Anders bei "He's Got The Whole World" oder "O Happy Day", wo der Drumcomputer des ansonsten angemessenen Keyboards etwas zum Störfaktor geriet: Obwohl rhythmische Stütze, verhinderte das vorgesetzte Tempo improvisatorische Freiheit und zwängte die Songs in ein starres Gerüst.

Dabei hätte die Lobpreisung des Herrn in der puren Form sicher noch mehr Wirkung erzielt. Denn die Songs besingen in den mantraartigen Texten verheißungsvoll das Evangelium, die gute Nachricht und den Glauben an eine bessere Welt. Während des gesamten Programms wurde das Publikum aktiv in das Geschehen eingebunden, bewies Stehvermögen und religiösen Eifer. Dass es im Extremfall wie beim Animationsabend eines Robinson-Clubs aussah, störte wohl niemanden: Die Botschaft zählt – und wurde dank der Glory Gospel Singers auf denkbar schönste Art verbreitet. Von Henrik Drüner

nordClick/kn vom 24.03.2004 01:00