Groovejazz rollte stotterfrei



Zwei schlechte Nachrichten musste Gastgeber Lutz Lueck in der Pause des Goldpool-Konzerts ansagen: Die eine verkündete das 6:0 der Holländer gegen Bertis Buben, die andere den möglicherweise letzten Auftritt des Kieler Trios. Tastenmann Christian Lorenzen studiert seit kurzem in Köln, wodurch eine kontinuierliche Probenarbeit gegen Null tendiert. Doch es sollten die beiden einzigen negativen Aspekte dieses musikalisch unterhaltsamen wie auch niveauvollen Abends bleiben.

Wenn es danach ginge, die Bandanteile angemessen zu würdigen, könnte Goldpool auch Christian Lorenzen Trio heißen. Zu sehr prägte der Pianist und Keyboarder den Gesamtklang und gab als einziges Melodieinstrument die thematische Richtung an, ohne dass dadurch die Leistung von Marc "Pucki" Preißler (Bass) und Florian Eichstädt (Schlagzeug) geschmälert werden sollte. Das Trio wirkte trotz fehlender Generalprobe und Soundcheck eingespielt, die Abstimmung untereinander passte – der angekündigte funky Groovejazz rollte stotterfrei durch das gut gefüllte Nachtcafé.

Jeder der Songs im Programm zeigte Goldpool in einem anderen Stilgewand: Der Opener Flowery erinnerte an das Xaver Fischer Trio, wenn zu ansteckend tanzbaren Beats eine elegante Melodie in die Tasten gedrückt wurde, während das wuchtige Bassthema bei Danceelectric von Propellerheads' Take California ausgeliehen schien. Doch auch der kühle, zurückgelehnte Funk der Blaxploitation-Ära fand mit Black Cat seinen Platz im Set, garniert mit knarzigem Orgelsound von Lorenzens flinker Rechten. Überhaupt: Das Effektgerät am Keyboard hatte an diesem Abend ganze Arbeit zu leisten, um den variierenden Bedürfnissen zwischen sphärisch schwebend und opulent rockig gerecht zu werden.

Auf der Bühne gaben sich Goldpool sympathisch schüchtern, verwöhnten statt mit Spektakulärem vielmehr das Ohr. Falls das Konzert im goldenen Kieler Jazz-Herbst wirklich ihr letztes gewesen sein sollte: Von den Musikern wird man noch hören – in welcher Konstellation auch immer. Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 21.11.2003