Gordon Grdina Trio: Improvisation braucht Platz

Kiel – Arabische Skalen und den Sound vom ECM-Label unter einen Hut zu bekommen, klingt in der schriftlichen Trockenübung reichlich unmöglich. Bei Gordon Grdina aber funktioniert dieser Spagat. Der junge Kanadier aus Vancouver kombiniert kurzerhand sein Faible für Mainstream Jazz, freie Improvisation sowie klassische arabische Musik und vermag dieses dank seiner beiden Hauptinstrumente, Gitarre und Oud, kongenial zu vertonen. Morgen stellt Gordon Grdina diese Mixtur in Trio-Besetzung in der Pumpe vor.

Selbst eine Jazzgröße wie Gary Peacock zeigte sich begeistert von seinen instrumentalen Fähigkeiten. Die Anekdote dazu: Nach einem Keith-Jarrett-Konzert 2000 in San Francisco suchte Grdina den Bassisten auf, mit der Folge, dass Peacock in den folgenden fünf Jahren sein Mentor und Lehrer wurde. Nach einer letzten gemeinsamen Session kam schließlich die kühne Anfrage des Schülers, ob sie nicht eine Trio-Aufnahme machen wollten. Peacock stimmte zu und brachte mit Paul Motian einen weiteren von Grdinas musikalischen Helden mit ins Boot. Die daraus entstandene CD Think Like The Waves von 2006 gilt als ein bemerkenswertes Jazz-Debüt voller Interaktion und Solo-, Duo- und Trio- Improvisationen, aber auch komponierten Stücke in der besten Tradition von Paul Bley, Keith Jarrett oder Ornette Coleman.

Vielseitigkeit um der Vielseitigkeit willen war allerdings nie Grdinas Ziel: „Ich wollte schlicht die Oud (Vorgänger der Mandoline aus dem Vorderen Orient, Anm.d.Verf.) und die Gitarre zusammenführen, weil ich das Gefühl hatte, dass diese beiden gut miteinander können. Also habe ich versucht, die Oud Teil meiner kompletten musikalischen Erfahrungen werden zu lassen, indem ich jegliche Stilrichtung angehe, ohne mir im Vorfeld Gedanken über das Genre oder vorbestimmte Rollenmuster zu machen.“ Charakteristisch für seine Saitenarbeit ist der trockene, schnörkellose Sound, der mit seinem kargen, aber gewichtigen Ansatz an Jim Hall erinnert.

Durch sein Studium der klassischen arabischen Kompositionslehre ist Grdina zudem in der Lage, mühelos zwischen den Lagern zu springen und zu vermitteln: Als Mitglied bei East Van Strings lässt er sich von Bartok, Berg und arabischen Stilen inspirieren, bei Sangha werden persische und indische Elemente integriert, Box Cutter steht für ein Modern Jazz-Quartett und mit seinen Kollegen aus Vancouver, Bassist Tommy Babin und Drummer Kenton Loewen, tourt er nun durch Europa. Im Gepäck haben sie ihre aktuelle Platte, die durch die Kompositionen des sensiblen und ideenreichen Jazzgitarristen genährt wird. „Ich habe herausgefunden: Je simpler und klarer das Stück, desto mehr Raum hat der Improvisierende, diesen zu füllen“, so Gordon Grdina. „An dieser Musik ist etwas, was mich geradezu anzieht. Möglicherweise das zeitgleiche Zusammentreffen von Simplizität und Komplexität.“

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