"Old School!" "No War!" "Yeaah!"

Grandmaster Flash begeisterte in der Pumpe

0.30 Uhr Ortszeit: Grandmaster Flash betritt das DJ-Pult, das bei ihm als Kanzel und Zeitmaschine dient. Fanfaren, stampfende HipHop-Beats in Schleife und ein Meer aus Armen, im Rhythmus geschwenkt. Kiel feiert HipHop, Kiel feiert Old School, Kiel feiert Grandmaster Flash.

Schon bei Philstarr 33 und DJ Mike war die Stimmung bestens. Doch mit einem "Make some motherf***in' noise" in here löste der Zeremonienmeister alle angestauten Spannungen beim Publikum, sämtliche Erwartungen und Bedenken im Vorfeld waren mit einem Schlag verpufft. Ungläubig und beinahe paralysiert starrten alle Augenpaare nach vorne, doch er war es wirklich! "Somebody scream!" - "Yeaah!" Flash stoppte abrupt einen laufenden Song, Stille aus den Boxen, Jubel in der rappelvollen Pumpe. Nicht so voll, dass es genervt hätte, aber zumindest so voll, dass aus dem zweistündigen DJ-Set ein spektakuläres Konzerterlebnis wurde. Von zahlreichen HipHop-Kids bis zu Junggebliebenen, die aktiv die Anfänge dieses Genres miterleben konnten, waren im Publikum alle Altersklassen vertreten.

"Let me take you way back in time - 1974": Flash holte weit aus bei seiner musikalischen Zeitreise und startete chronologisch mit bekannten Themen der ersten Old School-Stunde, Babe Ruth's The Mexican oder Slam von Onyx. Seinem Ruf als Erfinder des Scratchens machte er alle Ehre, indem er die Nadel in der Rille tanzen ließ.
Nicht außergewöhnlich schnell, aber dafür mit viel Seele. Einige Fans waren davon derart begeistert, dass sie sich mit geschlossenen Augen dem Luftscratchen - einer Mutation der Luftgitarre - hingaben.
Fast während des gesamten Auftritts hielt ein Buddy vom Grandmaster den Stapel Vinyl parat, den dieser vorher ausgewählt hatte. So musste der Protagonist des Abends nur noch der Reihe nach abheben - feiner Service für einen Weltstar. Die Ansagen waren wirklich keine geistigen Ergüsse, entsprachen aber den gängigen Klischees: entweder durfte das Publikum schreien, die Hände in die Luft werfen, "Old School!" oder politisch korrekt "No War!" skandieren, ohne Widerwillen und mit wachsender Begeisterung.

Die Zeitreise ging weiter über Naughty By Nature's Hip Hop Hooray, Here Comes the Hotstepper von Ini Kamoze, Cypress Hill und einem Michael Jackson-Medley, brachte selbstverständlich auch die beiden Klassiker Rapper's Delight und The Message. Sehr routiniert präsentierte sich die DJ-Legende, ohne jedoch mit vielen Überraschungsmomenten zu punkten. Dennoch wird es niemand bereut haben, dabei gewesen zu sein.

Henrik Drüner