Griots de Louga auf der Halle400-Bühne

Der seltsame Reiz der Monotonie

Technisch versiert scheinen Senegalesen nicht nur im Umgang mit dem runden Leder zu sein – immerhin haben sie die Franzosen im Eröffnungsspiel der WM ganz schön alt aussehen lassen. Beim Auftritt der Griots de Louga wurde deutlich, dass die achtköpfige Band aus dem westafrikanischen Land auch mit den Instrumenten ihrer Heimat bestens umgehen kann.

Nicht der Aufbau der vorgetragenen Lieder auf der Bühne vor der Halle400 faszinierte, sondern die scheinbar monotone Art, mit der ein musikalisches Thema minutenlang mit verschiedenen Elementen ausgeschmückt wurde. Besonders prägend die Percussion: Über dem Grundgerüst von Schlagzeug, Bass und Gitarre animierten sie mit raffinierten Rhythmen und klanglichen Nuancen zum Mitwippen. Der Gesang hatte angesichts dieser tranceartigen Improvisationen die Aufgabe, mit stereotypen Melodien die Struktur der Songs zu erhalten.

Artistische Tanzeinlagen mit geschmeidigen Bewegungen in traditioneller Tracht honorierte das Publikum mit Szenenapplaus. Kein Touri-Nepp aus dem Robinson-Club stand auf dem Programm, sondern authentischer Ausdruck von ureigenen Stilen und Gefühlen. Gerade als die Zuschauer sich auf die fremden Rhythmen eingestimmt hatten, fand das Konzert ein schnelles Ende. Der Zeitplan war eng gesteckt – eine Zugabe das Mindeste, was sich Griots de Louga verdient hatten. Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 28.06.2002