H-Blockx auf der delta radio-Bühne, Halle400

Von Henrik Drüner

Zehn Jahre sind vergangen, seit H-Blockx mit dem Album „Time To Move“ die Charts stürmten und einen Sound prägten, dem sie zwar mittlerweile entwachsen sind, aber dennoch nicht ganz davon lassen können.

Es ist der Crossover-Mix aus melodischen Strophen, Refrains voll auf die Zwölf und gelegentlichen Rap-Parts, der auch auf der delta radio-Bühne in der komplett ausverkauften Halle400 bestens zündete. Sänger Henning Wehland, Tim Humpe (Gitarre), Steffen Wilmking (Drums) und Fabio Trentini (Bass) spielten ein kompromissloses 90-minütiges Programm mit dem Besten aus einer Dekade H-Blockx, ohne sich dabei lange mit Ansagen aufzuhalten. Die aktuelle Platte heißt nicht von ungefähr „No Excuses“: die Münsteraner wollen keine faulen Ausreden mehr, denn jeder ist für sich und sein Tun selbst verantwortlich.

„Push Me“ oder „Leave Me Alone!“ zeugten vom emanzipierten Stil, hin zu straighten Rocksongs inklusive Gitarrensoli. Doch wenn special guest und Testosteronschleuder Dave Gappa wie ein Derwisch über die Bühne jagte und seine wütend gebellten Rap-Stakkatos rauspresste, dann ging ein geseufztes „hach, ja – damals“ über die Lippen. Urgestein Henning thronte derweil wie eine griechische Statue auf mannshohen Boxen, bewunderte den kollektiven Enthusiasmus im jungen Publikum und kam zu dem Ergebnis: „Kiel, ihr seid die Großartigsten!“

Zur Belohnung gab es den Feuerzeug-Song „Little Girl“, „Ring of Fire“ in der krachenden Cover-Version und „Risin’ High“, bis auch der Letzte merkte, dass die Herren im kahnschen Sinne Eier haben. Dazu hätte es gar nicht den Abschluss „I Got The Power“ gebraucht, den Gappa nur noch mit freiem Oberkörper absolvieren konnte. Imposante Kraftmeierei!