Vom Streben nach Höherem

The Hellish Crew wagte in der Tanzdiele erste Schritte zum Rock-Olymp


Wer in einer Band Musik macht und sich selbst gegenüber ehrlich ist, möchte berühmt werden. Auf den großen Bühnen spielen. Vor Tausenden von begeisterten Fans. Auch die Jungs von der Hellish Crew haben sicher solche Ziele. Doch der Weg dorthin ist bekanntlich lang und steinig. So findet das Konzert der vierköpfigen Formation in der Tanzdiele nur spärlichen Zuspruch, zumal die Terminwahl kurz vor Beginn der Kieler Woche sicher nicht zu ihren Gunsten ausfällt.

Sei es drum, Rock bleibt Rock, und der muss nach vorne gehen. Angetrieben von Marco Walter, der mit fetten Gitarrenriffs sowohl Melodie- als auch Rhythmusarbeit leistet, zieht die Band aus Kiel und Neumünster ein knapp einstündiges Programm durch, das jederzeit das Bemühen um Authentizität erkennen lässt. Dabei werden beinahe sämtliche Klischees des Genres bestätigt: die berüchtigte Luft-Gitarre und impulsives Haupthaarschütteln von Sänger Hauke Jakubik, sein Bruder Detlef an den Drums mit vollem Einsatz und ein introvertierter Bassist Timo Hermann mit tief ins Gesicht gezogener Kappe.

Ein Blick in die privaten Plattensammlungen scheint nicht mehr vonnöten. Da passt es aber nicht gut ins Bild, wenn die Songtexte in Klarsichtfolie vor der Monitorbox liegen! Das Zusammenspiel des Quartetts klappt dagegen reibungslos, wobei das solide Songwriting um die Eckpfeiler Crossover und Hardrock noch durch den famosen Gesamtsound verstärkt wird. Da hat sich die Investition in ein professionelles PA-Equipment wahrlich gelohnt. Mit der Zugabe Catharsis - eine Cover-Version von Anthrax - wird noch einmal deutlich, in welche Richtung es musikalisch für die Hellish Crew gehen soll: zum Rock-Olymp.


Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 15.06.2001