Akustische Verständigung der Extraklasse


The Hellnoizers experimentierten in der Tanzdiele

Man hat ja schon einiges gesehen und gehört als Redakteur, doch daß drei Musiker auf drei verschiedenen Positionen im Raum verteilt einen kompletten Gig absolvieren, scheint wohl wirklich ein Novum zu sein. Um es vorwegzunehmen: das angekündigte "Soundexperiment der Extraklasse" der Kieler Hellnoizers ist vollkommen geglückt.

Eine Stunde lang rocken Bruno Turbow, Zerre Naber und Doc Moon in der Tanzdiele durch ein abwechslungsreiches Programm, an dessen Ende der Bandname beinahe deplatziert wirkt. Nicht mehr ein vermeintlich infernaler Lärm, sondern ein ausgewogenes Songwriting mit präziser Aufgabenverteilung bestimmt das musikalische Geschehen des Trios. Zwischen straightem Rock mit funkigen Anleihen und schnörkellosem Punkrock findet so auch eine originalgetreue Version des AC/DC-Klassikers "Rocker" seinen Platz bei den Hellnoizers. Bruno bearbeitet den nur dreisaitig aufgezogenen Bass wie eine als "unsportlich" abgestempelte Gitarre, meist voll durchgezogen mit flinken und zahlreichen Akkordwechseln. Da fließt der Schweiß im bewährten, hellblauen cat suit, zumal der Gesang mit viel Leidenschaft, Hall-Effekt und gekonnter Melodieführung rüberkommt.

In der anderen Ecke, gerade noch in Sichtweite, hat Turbo mit Zerre einen kongenialen Partner am Bass, der auch für die - zu leise abgemischten - Backgroundvocals zuständig ist. Für zwei Jahre Probenarbeit ein erstaunlich präzises Zusammenspiel, denn Doc Moon an den Drums trommelt nur in Hörweite, jedoch umso intensiver. So trifft der homogene Sound synergetisch in der Mitte der Tanzdiele aufeinander und verbreitet Begeisterung. Henrik Drüner