Hocktoberfest in der Pumpe: Der "Nackenpeter" ist schon Standard

 

Kiel - Wann aus einer Schnapsidee eine Trendsportart wird, lässt sich nicht so leicht ergründen. Fakt ist, dass zumindest in Kiel das Hockern und das jährliche "Hocktoberfest" zu durchaus bekannten Begriffen avanciert sind. Bei den dritten "Offenen Hocker-Meisterschaften der Welt" ermitteln die Kontrahenten am Sonnabend in Kiel den ungekrönten König der prosperierenden Szene.

Nach Räucherei und Ex-Vinyl/Nachtcafé geht es diesmal in der Pumpe darum, innerhalb von zwei Minuten möglichst stilvoll mit dem Sitzmöbel zu zaubern. "Grenzgänger" oder "Nackenpeter" nennen sich die Bewegungen, für die eine dreiköpfige Jury Punkte in den Kategorien "Akrobatik/Wagemut", "Stil/Sicherheit" sowie "Vielfalt/Kreativität" vergibt. Jurymitglieder sind die Vorsitzenden des Hockstars e.V. - Ben Denn, Romski Laroid und Orc von Rumänien. "Kurzfristige Anmeldungen sind immer willkommen", so Ben Denn. "Ich erinnere gerne an einen der letztjährigen Finalisten, der zuvor noch nie so einen Hocker gesehen hatte. Angst vor dem Sportgerät ist absolut unbegründet, außerdem steht eine Trainingsfläche zur Verfügung.

Technische Neuerungen sind auch nach sieben Jahren noch möglich, vor allem durch die Verbreitung des Hockerns außerhalb der Kieler Stadtgrenzen. Begünstigt durch TV-Beiträge, die sich dem Phänomen widmeten und neue Interessenten anzogen, kursieren mittlerweile Videos mit bislang unbekannten Moves und Akteuren im Internet. Ben: "Jeder entwickelt seinen eigenen Stil, vor allem Kinder springen begeistert und unvoreingenommen auf das Hockern an. Da geht noch einiges - wir glauben zumindest noch nicht an ein Trick-Ende!"

Für die drei Hockstars stehen neben dem wöchentlichen Training auch Shows auf dem Hamburger Hafenfest oder der IFA in Berlin auf dem Programm. Doch Hockern bleibt ausgeprägtes Hobby: "Es gab sicherlich kleine Tiefpunkte, aber der Spaß und die Freundschaft konnten uns immer wieder zum Weitermachen bewegen." Dass das "Hocktoberfest" erneut eine Rundum-Veranstaltung und Party-Garant wird, dafür sorgen drei Hamburger Blondinen mit Moustache. Sie nennen sich selbst Caracho und benehmen sich entsprechend, wenn sie mit ihrem Electropunk-Massaker und den Songs der pressfrischen Platte "Lass uns Bambi spielen" die Bühnen zerlegen oder in Sparkassenvorräumen Guerilla-Gigs spielen.

Ebenfalls für die Beschallung engagiert wurde The Killergroove Formula. Das Trio - zwei DJs und ein MC - widmet sich Freestyle Electro-Funk mit massiven Basslines und positiven Vibes. Die Moderation des Abends übernimmt wie gewohnt Ivan Händel, die AfterShow-Party dirigieren Turnier-Diskjockey Doc Schlucki und die DJs 400 Mark und LateNite 79.

Ob Ben Denn und seine Kollegen danach immer noch als die Pioniere und Väter des Hockerns gelten? "Solche Sachen wie 17-Jährige, die einarmigen Handstand auf dem Hocker machen, trauen wir uns nicht mehr zu", räumt der Organisator ein. "Das ist wie Springen vom Zehner im Hallenbad: früher mit Anlauf, heute klappern die Knie."

Sonnabend, Einlass 20 Uhr, Turnierbeginn 22.30 Uhr, Pumpe (Haßstr.22), Informationen zum Turnier und Teilnahmebedingungen auf http://www.hockern.com/

KN-Online