Ian Pooley

Es scheint, als habe Ian Pooley seinen eigenen Stil gefunden. Das vierte Album „Souvenirs“ (Ministry Of Sound/edel) zeigt den Produzenten und DJ wie auf dem Vorgänger „Since Then“ mit den bewährten Elementen aus lateinamerikanischer Wärme und Leichtigkeit sowie Pooley’s Basiszutaten: „Die Mischung aus House und Downbeat ist für mich ideal. Wenn ich zusätzlich noch eine persönliche Handschrift auf meinen Platten hinterlassen kann – gerne.“

Ein Unterschied gegenüber früheren Veröffentlichungen ist die verstärkte Zusammenarbeit des Mainzers mit Studiogästen. Zu den weiblichen Gesangsduos Jade MacRae und Danielle Gaha sowie Rosanna und Zélia gesellen sich diesmal auch namhafte Musiker wie Terry Callier oder Marcos Valle, die sich mit ihren Beiträgen perfekt in den Fluss des Albums integrieren und nebenbei ihre Spuren aus Blues, Folk und Bossa Nova hinterlassen. Pooley sieht zudem noch einen weiteren Vorteil an den Kooperationen: „Dank ihnen werden die Songs komplexer, aber gleichzeitig auch kompakter. Da sie mehr von Harmonien und diesen Dingen verstehen als ich, wird es auch für mich interessant, indem die Stücke sich mittlerweile an detaillierten Songstrukturen orientieren.“

Vorbei sind wohl die Zeiten von Detroit-Techno, mit dem der 30-Jährige Mitte der Neunziger vor allem als DJ die Plattenteller fütterte. Erst kam Langeweile auf, dann das Abstoßen dieses Sounds. Doch über mangelnde Aufträge kann Pooley nicht klagen – ganz im Gegenteil: „Vor zwei Jahren war ich mehr Tage in Clubs unterwegs als zu Hause. Damit sollte Schluss sein und ich setzte mir von da an Grenzen, zumal ich glaube, dass bei Überbelastung auch die Qualität des Sets leidet!“ Als Zweitwohnsitz und möglichen Zufluchtsort für noch freieres Arbeiten erwarb Pooley daraufhin ein Grundstück auf einer kroatischen Insel, nachdem er bereits einige Monate in Barcelona lebte und unter anderem in Sydney am aktuellen Album werkelte. Ein wahrer Kosmopolit, der trotzdem in Mainz seine Heimat sieht und seit einem Jahr dort auch sein Label Pooled Music trotz der wirtschaftlichen Lage mit stabilen Verkaufszahlen über Wasser hält. Solange er dabei noch Zeit findet, Souvenirs aus aller Welt zu sammeln, soll es dem Hörer nur Recht sein.

Henrik Drüner