Ikon

Ein Glück für Elliot Ireland und Alex Rizzo, dass sie bei Jalapeno Records ihre eigenen Chefs sind. Jedes andere Label hätte die Londoner bei den Produktionszeiten von „Ikon“ (Audiopharm/SPV) längst vor die Tür gesetzt. „Die Songstrukturen bestehen schon sehr lange, einige Gesangsspuren wurden bereits 1996 eingesungen. Insofern haben wir den Vorteil als Labelchefs genutzt, das Album erst jetzt rauszubringen, wo die Zeit dafür reif zu sein scheint – ganz ohne den Druck einer Deadline“ erzählt Elliot erleichtert. Bei sieben verschiedenen Gastsängerinnen auch kein Wunder: „Zwar sind es alles Freundinnen, die auch zu uns ins Studio kamen, aber es wurde organisatorisch trotzdem eine knifflige Aufgabe. Alex und ich arbeiten immer gemeinsam am Songwriting und setzen jede Idee Stück für Stück zu dem letztendlichen Resultat zusammen.“

Äußerst geschmackvoll klingt der Mix aus Bossa Nova-Rhythmen, Nu Soul und auch leichten Drum&Bass-Elementen. Ireland: „Es war großartig, die Technik von Club-Produzenten zu nutzen und trotzdem ein komplettes Album aufzunehmen, das in seiner Gesamtheit wirkt, auch zu Hause. Nur so lassen sich die verschiedenen Stile vereinbaren, die ähnlich vielfältig sind wie unser musikalischer Horizont.“ Valerie Etienne (ehemals bei Galliano) verstärkt „Modul Modal“, die erfahrene italienische Sängerin Rita Pavone die epische Single „The Dove“; aus Argentinien bringt Sol Ruiz de Galarreta jazzigen Bossa mit, die Brasilianerin Pat Cerqueira bei „Vai E Verm“ laszives Portugiesisch. „Erstaunlich ist, dass sämtliche Texte von zerbrochenen Liebschaften und dem Drumherum handeln. Das haben wir erst im Nachhinein bemerkt“ wundert sich Ireland.

Die Problematik, dass die Songideen für Ikon mit denen für Skeewiff – ein weiteres Projekt von Ireland und Rizzo – kollidieren könnten, sieht der DJ und Produzent nicht: „Bei Ikon entdecken wir eine andere Seite elektronischer Musik, eher soulful und mit Lounge-Charakter; Skeewiff spricht dagegen viel direkter den Tanzflur an. Es hängt aber auch viel von der jeweiligen Grundstimmung und dem Gesangspart ab, für welches Projekt eine Idee passt. Denn eigentlich entspringt es denselben Wurzeln.“

Henrik Drüner