Mehr als nur ein Intro

Christian Vittrup, Henrik Drüner

Man bleibt jung, solange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und Widerspruch ertragen kann. Für das mittlerweile in Köln beheimatete Musikmagazin Intro gilt es nach zehn Jahren ebenfalls, diesem Grundsatz treu zu bleiben, gerade in dem sich rasant entwickelnden Musikbusiness und den damit verbundenen Veränderungen bei Stilen und Geschmäckern. Die Jubiläumsparties in Hamburg und Köln am 26./27. Januar waren also eine gute Gelegenheit, mit den Lesern und Bands auf eine erfolgreiche Zeit zurückzublicken.

Viel Programm war zu bewältigen, so dass es schon um 20 Uhr in der Großen Freiheit mit Sneaker Pimps losging. Wegen der missglückten Einlasspolitik konnten wir uns jedoch keinen bleibenden Eindruck machen, da die letzten beiden Songs noch im Eingangsbereich an uns vorbeiplätscherten. Ein großer Intro-Banner, unter dem sich schon viel Partyvolk versammelt hatte, hielt den Anlass des Events während des weiteren Programms stets in Erinnerung.
An den Getränkeständen wurde schon hart gearbeitet und Wiedersehen gefeiert, so dass es noch genug Platz für uns vor der Bühne gab, als die Hamburger Band Superpunk ihr Set begann. Sie waren laut, wie der ganze Abend nach ihnen. Laut und gut. Obwohl das Publikum eher verhaltene Begeisterung über Superpunks Mischung aus altmodischem R’n’B und ironischem Halbstarken-Punk zeigte, ärgerten wir uns doch, die Band bei ihrem Konzert in Kiel verpasst zu haben.

Im Kaiserkeller, der an diesem Abend als zweiter Floor herhalten musste, herrschte Premierenstimmung, als Dirk von Lowtzow und Thies Mynther ihr Duo Phantom Ghost auf die Bühne brachten. Nach dem ersten Applaus löste sich die Spannung der zwei Musiker dann sichtbar in Freude auf, man prostete sich zu und ließ sich für den Rest des Programms sichtbar in den Liedern zwischen upbeat Elektronik und Melancholie fallen. Besonders Dirk von Lowtzow bewies wieder einmal seine Qualitäten als ‚Performer’, in dessen Stimme immer ein ganzes Leben mitzuschwingen scheint. Eine Eigenschaft, die er aus dem Tocotronic-Kontext in das neue, englischsprachige Projekt überführen konnte. Die holprige Right Said Fred Coverversion, mit der sich Phantom/Ghost verabschiedeten, wirkte dann schon fast wie ein Motto für den restlichen Abend: „All I wanna do, is get drunk here with you...“!

Nach den etwas deplatziert wirkenden Cornershop (drei Gitarren plus Sitar!) kam die Band, die sich im nachhinein als absolutes Highlight herausstellte: The Notwist. Auf den krachenden Opener folgte ein eher ruhiges Set, das mit vielen Songs des neuen Albums „Neon Golden“ (s. Rezension) begeisterte. Keine großen Ansagen, keine Performance – allein die Intensität der Musik reichte aus, um eine Gänsehaut zu bekommen. Zwischen Alternative Pop, Folk und Elektronik blieb genügend Platz für verspielte Motive, Melancholie und kraftvolle Ausbrüchen. Am Ende des Konzertes hatten wir das Gefühl, dass jeder im Publikum gebannt die einmaligen Songs verfolgte. So durften The Notwist auch erst nach drei Zugaben die Bühne verlassen, denn auch Mouse On Mars sollten als langjährige Intro-Weggefährten ihren Teil zum Jubiläum beisteuern.

Alleinunterhalter-Spaß-House: Eine andere Bezeichnung kann es für die Musik von Erobique wohl nicht geben. Die sympathische Art von Carsten Meyer an den Tasten und seine kickenden Beats aus der Konserve waren genau der richtige Abschluß. Derweil hatte sich die Große Freiheit im oberen Bereich bereits langsam geleert, und wir strömten zusammen mit den anderen glücklichen Besuchern des Intro-Festivals ins Freie. Schöne Nacht.