Vier Bands stehen morgen in der Traum GmbH im Finale des John Lennon Talent Awards 2008/09

Kampf um die Newcomer-Krone

 

Kiel - Schon vor Jahren hatte der Sänger, Komponist und Produzent Edo Zanki, seit 1991 Coach und Juror für den John Lennon Talent Award, gefordert: „Es muss in Zeiten der Casting-Shows Platz für andere Formate, Musiken und Lebensentwürfe geben“. Das Finale des alljährlichen Bandwettbewerbs in der Traum GmbH ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Zanki kommt angesichts der TV-Popsternchen und Formatradio-Misere zu dem Schluss: „Der Ausweg aus den falschen Einbahnstraßen der Verwerter kann nur durch die Kreativen im Lande gelingen, deshalb unterstütze ich diese bewusst andere Talentförderung.“ Der John Lennon Talent Award, kurz JLTA, wurde erstmalig 1991 von der Itzehoer Versicherung ausgeschrieben und zählt zu den renommiertesten und ältesten Nachwuchswettbewerben Deutschlands. Zunächst nur auf Norddeutschland begrenzt, können seit 1999 bundesweit Bands teilnehmen und neben dem Sieg vor allem vom Förderangebot profitieren. Yoko Ono als Lennon-Witwe gibt vor jedem Neustart des JLTA ihre Zustimmung, unter der Auflage, dass die Bands nicht kommerziell unterstützt werden.

Nach drei Ausscheidungskonzerten in Berlin, Hamburg und zuletzt in der Münchener Muffathalle befindet sich der JLTA 2008/09 auf der Zielgeraden. Morgen schwitzen vier Bands um den Sieg: KellerChaos (Preetz), Leon Taylor (Frankfurt am Main), Ludwig Van (Berlin) und Taxgas (München). Allein das Erreichen des Finales darf als Erfolg verbucht werden - konnte man sich doch gegen 1133 Mitbewerber durchsetzen und gehört zu den bundesweit besten Newcomern.

Die Veranstalter um den künstlerischer Leiter Ulf Krüger sehen die Aufgabe des JLTA in erster Linie darin, den Preisträgern Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten, Know-how und Erfahrungswerte in enger Zusammenarbeit mit Branchenkennern zu vermitteln. Positiver Nebeneffekt: kommunikativer Austausch zwischen den Musikern und der Aufbau eines Netzwerks.

Die selbst ernannten „drei chaotischen Girls“ von KellerChaos dürften als Lokalmatadore die größte Fanschar mobilisieren. Die Schwestern Jana und Rieke Neubert sowie Lena Zamjatnins am Schlagzeug haben eine erstaunliche Entwicklung vom rumpeligen Schülerband-Punkrock zu einer professionell kecken Bühnenshow durchlaufen. Leon Taylor, Namensgeber der siebenköpfigen Soulcombo, wurde das Talent in die Wiege gelegt: Mutter Gospelsängerin, Vater Bassist bei Peter Maffay. Trotz seiner britischen Herkunft singt Taylor deutschsprachige Texte, weichzeichnend zwischen Soul, Pop, Rock und Hip-Hop auf der aktuellen CD "Wir ziehen los".

Ludwig Van, ehemals aus Flensburg, sind 2008 nach Berlin gezogen, um von dort ihre grellbunten Indiepop-Songs unters tanzende Volk zu streuen. Sänger Jesper Jacobsen punktet durch die rare Kombination von Exzentrik und Stimme. Die vierte Band Taxgas hat die weiteste Anreise. Doch gemessen an der Attitüde ihrer deutschsprachigen Punkrock-Songs, würden die Bayern um die Brüder Sebastian und Tolga Bedirhan auch zu Fuß in die Mongolei aufbrechen, um dort spielen zu können.

Die heterogene Jury - unter anderem Otto Waalkes, Borislaw Janowski (MTV/Viva), Werbefachmann Holger Jung (Jung von Matt) und Andreas Bayless (Söhne Mannheims) - wird den Sieger küren. Im Rahmenprogramm zeigen zwei Bands, wohin der Weg führen kann: die Berliner Band Radiopilot, Gewinner des JLTA 2005/06 und mittlerweile mit Major-Plattenvertrag, und die dänischen Senkrechtstarter The Asteroids Galaxy Tour, die schon mit ihrem Song
"Around The Bend" (bekannt aus der Apple-iPod-Werbung) und im Vorprogramm von Amy Winehouse Aufsehen erregten.