John Lennon Talent Award Friendshiptour 2008 - Ludwig Van trifft Prinzessin Plastik

 

Kiel - Angetreten sind sie als Konkurrenten, auf Tour gehen sie als Freunde. Vier Newcomer-Bands zeigten im Rahmen der "John Lennon Talent Award Friendshiptour 2008" in der Pumpe, warum sie in diesem Jahr zu den 15 auserwählten Gewinnerbands zählen und somit in den Genuss des Förderprogramms kommen. Bei aller stilistischen Divergenz wird eines deutlich: Ein kleiner Superstar steckt in jedem von ihnen.

So umständlich der Titel des Abends, so angenehm simpel der Programmablauf, der jeder Band ein 45-Minuten-Set mit relativ zügiger Umbaupause einräumt. Zuvor stellen Linie15 den Support-Act mit ihrem ersten Auftritt nach dem Split der Vorgängerband No-Thing. Vor drei Jahren gewannen die Itzehoer mit ihrem Emo-Punkrock den Sonderpreis des Landes, und heute weiß niemand mehr so recht genau, warum. "Es ist noch nicht alles verlor'n, aber es könnte besser sein", krakelt Sänger Sascha Gabert in einem Song. Danke, alles gesagt.

Die JLTA-Förderung beinhaltet auch ein gezieltes Coaching mit dem Schwerpunkt Bühnenperformance. Ludwig Van aus Flensburg scheinen im Unterricht gut aufgepasst zu haben: Jesper Jacobsen storcht in enger Röhrenjeans über die Bühne, kostet die Indie-Songs voll aus, indem er die nötige Exaltiertheit, und, noch besser, eine klangschöne Stimme mitbringt. Der Bandname und britisches Wavepunk-Songwriting lassen an Franz Ferdinand denken, Hinnerk Brunk zischelt sich auf der HiHat in einen Tanz-Taumel, Lennart Dose drückt die Tasten durch und Bassist Pascal Flor war beim Friseur. Merken.

"Jedes Lied ist ein kleiner Schnappschuss unserer Welt", informiert uns die Berliner Prinzessin Plastik. Zellgeteilt als Quartett, zelebriert sie Popsongs, die "genug Zeit zum Springen, Weinen und Mitsingen" bieten. Sängerin Carla Stock trägt rot, die Jungs komplett weiß und am Nachthimmel leuchtet der silberne Julimond. Sehr professionell, sympathisch, vielleicht etwas zu zahm und kalkulierbar mit Ballade ("Kinder"), Tanzlied ("Diskokugel") und Midtempo ("Fahrrad"), machen sie Mia stadtinterne Konkurrenz.

Ähnlich ausgebufft wie die Berliner, nur umso krawalliger, zeigen sich im Anschluss Kaiserkind. Angefeuert vom "Streetteam Kaiserkind", einer Busladung ausgelassener Teenie-Groupies, feiern die Hamburger eine amtliche Punkrock-Show. Auch hier: deutschsprachig. Das schien den JLTA-Juroren ein wichtiger, weil authentischer Aspekt. Shouter Simon mimt den Obermacker, familiär gestärkt im Rücken durch zwei Geschwisterpaare. Auch die weiterhin sehr jungen KellerChaos aus Preetz können mit Jana und Rieke Neubert ein Schwesternpaar aufweisen. Schlagzeugerin Lena Zamjatnins komplettiert den Mix aus Punk, Ska und Rock von "drei chaotischen Girls", wie sie selber in Interviews sagen. Was würde wohl Yoko Ono zu der Veranstaltung sagen? Vielleicht: "Auf die Freundschaft, my dears!".

KN-Online