Flensburger gewinnen Finale des John Lennon Talent Award 2009 in der Traum GmbH

Die vier Helden von morgen

 

Kiel - „Jolladahidi! Darf ich es jetzt schon sagen?“ Otto Waalkes ist in seinem Element. Vielleicht nicht unbedingt in seiner Rolle als seriöses Jury-Mitglied, wohl aber als Komiker der alten Schule. Ihm wird am Ende eines langen Abends die Ehre zuteil, den Sieger des John Lennon Talent Award 2009 zu verkünden: „Also, äh, gewonnen haben Ludwig van!“

Im Jubel der Zuschauer hüpfen die vier Flensburger Musiker über die Bühne, schreien ihre Freude und Anspannung heraus, fallen sich in die Arme. Der symbolische Sieger-Bass von der Itzehoer Versicherung als Veranstalter wird in die Höhe gereckt. Ganz großes Emotionskino und ein würdiges Finale des Bandwettbewerbs in der bis unters Dach gefüllten Traum GmbH.

Nicht der Heimvorteil als schleswig-holsteinische Band brachte Ludwig van den entscheidenden Vorsprung vor den drei anderen Kandidaten. Es war im Gesamteindruck aus Songmaterial, Instrumentenspiel und Bühnenpräsenz die einzig richtige Wahl. Zumindest hatte Ulf Krüger, künstlerischer Leiter des JLTA, vor der Bekanntgabe verlauten lassen, dass das Ergebnis recht eindeutig ausgefallen sei. Das Rahmenprogramm bildeten Radiopilot mit harmlos-nettem RockPop und The Asteroids Galaxy Tour aus Kopenhagen mit Retro-Sound und wuchtigen Bläsern.

Leon Taylor, dem Sänger und Namensgeber der Frankfurter Band, wurde womöglich zum Verhängnis, dass der Auftritt zu glatt und poliert für einen Nachwuchswettbewerb wirkte. Mit warmer Soulstimme flehte der klein gewachsene Taylor, dass die Angebetete doch zu ihm zurückkommen möge. Zwei Backgroundsängerinnen und ein opulenter Sound stützten ihn dabei. In den Ansagen schürfte er tief, doch den Songs mangelte es an Widerhaken, auch in der kraftvollen Pianoballade.

Taxgas aus München konnten ihre Botschaft dem Zuschauer wesentlich ehrlicher näher bringen. Mit stechendem Blick und Faust in der Luft giftete sich deren Sänger und Gitarrist Sebastian Bedirhan durch die Punkrock-Songs. Mehr Sprechgesang als Melodiebogen - und mit dem entsprechenden Effekt: Die Texte von "Ausstieg" oder "Der Junge im Kino" bekamen so den gewollt appellativen Charakter. Angenehm gegen den Strich gebürstet, verkörperten Taxgas das genaue Gegenteil vom selbstironischen Abschluss „Wir sagen herzlichen Dank und spielen, was die Mehrheit verlangt“.

Was auffiel: Die Musiker unterstützten sich gegenseitig, umarmten sich vor und nach den Auftritten, prosteten einander Mut zu. Und wie alle Bands spielten auch Ludwig van in Uniform, um die gute B-Note zu sichern. Bei den vier Flensburgern waren es verschiedenfarbige Shirts, die den Schweiß ihres Indiepops britischer Bauart aufsaugen mussten. Wie entfesselt hämmerte Keyboarder Lennart „Lenny“ Dose bei "Perfect Disease" die Achtel in die Tasten,
"Carot" und "Houston" setzten das von Sänger Jesper Jacobsen formulierte Motto „Nicht lang schnacken, Kopf in' Nacken“ nahezu perfekt in die Tat um. Und wenn sie mit "Cops of Mystery" einmal das Tempo drosselten und die Klangwand ausdünnten, vermochte Jacobsen seine Stimme voll zur Geltung zu bringen. Sehr überzeugend.

Das sympathische KellerChaos-Trio aus Preetz probte als letzte Band den sanften Aufstand. In den unraffinierten Texten bekommen vor allem Jungs ihr Fett weg ("Vollidiot"), es darf auch mal „Fick dich!“ gerufen werden, sozusagen als Kontrapunkt zu Leon Taylor, wenn Jana Neubert trotzig singt: „Ich will nie mehr zu dir zurück, und ich genieß mein neues Glück“. Die Mutter von Jana und Rieke Neubert fieberte im Publikum mit, und zeigte sich zuversichtlich: „Ich glaub, die packen das! Die sind gut heute, oder?“ Zumindest darf der „Rockstar“-Traum weiter geträumt werden - „wär' doch schön, wenn wir drei Rockstars wär'n“. Otto fand die letzten Worte: „Ich hatte einen richtig schönen Abend!“ Dito.

KN-Online