„Ich möchte die Leute zum Weinen und Tanzen bringen“ - Jack Peñate im Interview

Kiel – Kurz nach dem Glastonbury-Festival 2006 tauchte Jack Peñate erstmals auf der Charts-Landkarte auf. Ein 23-jähriger, smarter Londoner spanischer Herkunft, der nun mit Matinée ein erstaunlich abgeklärtes Album à la Style Council, Prefab Sprout oder Jonathan Richman veröffentlicht hat. Scheinbar intuitiv verarbeitet er darauf verschiedenste musikalische Einflüsse: 70er-Singer/Songwriter, 80er-Gitarrenpop und tanzkompatiblen Indie-Rock mit leichter Ska-Schlagseite, zusammengehalten durch eine vielseitige Stimme. Wie Kate Nash verkörpert Peñate das tadellose Mittelklasse-Kind, das noch bei den Eltern wohnt – als Gegenstück zu den skandalträchtigen Pete Doherty oder Amy Winehouse.

Jack, welchen Eindruck hast du von dem Konzert?
Peñate: Ich glaube, es lief ganz gut. Ist eben schwierig bei Bürobetriebsatmosphäre, die Leute richtig heiß zu machen. In einem Club wollen die Leute automatisch Spaß haben und herumspringen, in so einer Umgebung hier verhält man sich anfangs etwas nervös und gehemmt. Das ist normal. Aber die Zuschauer waren alle sehr nett.

Steigt jetzt noch eine Aftershow-Party?
Nein, ich werde sofort ins Hotel und direkt ins Bett. Vielleicht guck' ich noch eine DVD auf dem Laptop, aber morgen früh geht es wieder um 5.30 Uhr hoch. Die Leute beneiden einen oft um das Leben als Musiker, aber in vielen Punkten ist das ist ein Job wie jeder andere auch. Viele vergessen, dass man die meiste Zeit damit verbringen sollte, sein Instrument für sich allein zu spielen. Und zu lernen.

Du hast ein Jahr lang viermal die Woche in Londoner Pubs vor Leuten gespielt, die dich größtenteils nicht hören wollten. Profitierst du heute von diesen Solo-Auftritten?
Das war heftig, richtige Arbeit! Da lernt man alles für das Business, wenn die Gäste pöbeln und rumschreien. Ich habe immer E-Gitarre gespielt, damit die Leute nicht denken, ich sei James Blunt. Unter so einer Drucksituation kann man sich als Musiker beweisen, zumal es keine Gage oder Freigetränke gab. Ich vermisse teilweise diese Zeit, auch wenn es eine sehr einsame Phase war. Vielleicht werde ich es nach dem nächsten Album wieder so machen.

Schreibst Du schon an Songs für den „Matinée“-Nachfolger?
Ich denke, im März geht es los. Dafür ziehe ich nach Paris, in eine kleine Wohnung, ganz für mich allein. Ich kann zwar kein Wort Französisch, aber ich möchte etwas erleben und mir später nicht vorwerfen, ich sei nicht wagemutig gewesen. Meine Devise: Ein Mensch funktioniert am besten, wenn er mit dem Rücken an der Wand steht und ängstlich ist, weil er dann reagieren muss. Wenn ich bisher zu Hause mit meiner Mutter lebte, kannte ich alles, war verwöhnt. Das macht es einem zu einfach. Ich möchte als Musiker so weit wie möglich kommen, und dafür gebe ich anderes auf.

In welche Richtung wird es stilistisch gehen?
Es soll keinen Fall ein normales Indie-Album werden. Darüber bin ich hinaus, das ist vorbei. Ich möchte versuchen, die Leute zum Weinen und Tanzen zu bringen. Noch ist nicht klar, welches die Oberhand behält. Beides gleichzeitig wäre am reizvollsten. Das hat noch niemand geschafft.

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