Jazz Nights 2004/2005

 

Der diesjährige Herbst wird - zumindest aus Sicht des Jazzfreundes - eine güldene Jahreszeit. Wenn im Rahmen der Jazz Nights sowohl die Wave All Star Band als auch das Branford Marsalis Quartet zu Auftritten in die deutschen Großstädte kommen, sollte eine Entscheidung für alle Konzertfreudigen bereits gefallen sein: Hingehen! Als kleiner Vorgeschmack auf den nächsten Februar: Abdullah Ibrahim Trio, fünf Termine, Acoustic Night-Programm.

„The Sunny Side of Jazz“ lautet das Firmencredo von Wave Music, der Plattenfirma, die als Namensgeber der Wave All Star Band dient. Zum einen zielt die sonnige Seite wohl auf die Herkunft des Labels im kalifornischen Los Angeles ab, zum anderen stehen dessen Veröffentlichungen seit sechs Jahren aber auch für die sorglose Lebensfreude des Smooth Jazz. 1988 entstand in L.A. der Radiosender „The Wave“, der rund um die Uhr relaxte Musik zwischen Pop, Jazz und Soul spielte – die Stilrichtung war geboren.

Die Plattenfirma wiederum wurde 1998 aus der Idee ins Leben gerufen, diese Musik auch in Deutschland bekannt zu machen. Seitdem sind uns Rick Braun, Kirk Whalum, Norman Brown oder Brian Culbertson ein Begriff und stehen mit ihren Alben für flauschige Keyboardteppiche und verträumte Bläsermelodien in perfekter Konsonanz. Die illustren Vertreter an den acht Jazz Nights-Terminen sind Trompeter Rick Braun, Saxofonist Richard Elliot sowie die wunderbare Soul-Sängerin Oleta Adams.

Branford Marsalis muss wohl kaum näher vorgestellt werden. Seit zwei Jahrzehnten (die Karriere begann 1984 mit „Scenes In The City“) prägt das 43-jährige Mitglied der Musikerfamilie die internationale Jazzszene. Neben seinem prägenden Saxofonspiel machte sich Marsalis mittlerweile ebenso einen Namen als Komponist, Produzent verschiedenster Künstler und Labelbetreiber von Marsalis Music. Im Quartett - mit Pianist Joey Calderazzo, Bassist Eric Revis und Drummer Jeff „Tain“ Watts - triumphiert neben technischer Virtuosität besonders eine unbändige Improvisationslust. Denn das Resultat jahrelanger gemeinsamer Bandarbeit wiegt mehr als das Spielkunst der einzelnen Akteure: Der Geist Coltranes schwebt über ihnen, wenn Balladen, Bop oder Latin ertönen, wenn Vergangenheit und Gegenwart eng verzahnt Rhythmen und Linien freisetzen. Im November gibt es sieben Mal die Gelegenheit, in der Live-Situation die gegensätzliche Kraft von Dichte und Durchsichtigkeit des Branford Marsalis Quartet zu erleben. Henrik Drüner