Jazz thing Städte Check: Hamburg

Aufm Sprung

„Hamburgs Kultur muss endlich wieder ausreichend finanziert werden, damit Hamburg als Kulturstadt nicht mehr lächerlich gemacht werden kann.“ Zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl klingen die Worte von SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz kämpferisch und sendungsstark. „Kultur ist fester Bestandteil von Demokratie und Freiheit und eben nicht nur eine Kostenstelle“, so Scholz. Hoffnungsfunke oder wahlkampferprobtes Lippenbekenntnis?

Die Diskrepanz bezüglich der Hamburger Jazzszene liegt zwischen eben jenen Extremen „Weltstadt“ auf der einen, „Kostenstelle“ und „lächerlich gemacht werden“ auf der anderen Seite. Mit einer Großen Anfrage hatte die SPD-Bürgerschaftsfraktion im vergangenen Jahr die Bedingungen und Herausforderungen der Jazzmusik in der Freien und Hansestadt Hamburg beleuchtet und bereits in der Begründung der Anfrage auf die exzellente Jazzförderung in Skandinavien verwiesen.

Dabei gilt es immer zu bedenken: Die Geschichte des lokalen Jazz ist stark angelehnt an die Geschichte der einzelnen Spielstätten, an Namen wie Dennis Swing Club oder Onkel Pö. Mitte der 1970er-Jahre sprach man von der berühmten „Hamburger Szene“, die einherging mit dem Dixieland-Revival, befeuert von der Old Merry Tale Jazzband oder den Jailhouse Jazzmen mit Albert „Abbi“ Hübner. Doch danach lag moderner Jazz an der Elbe mangels äußerer und innerer Impulse lange Jahre brach. Gabriele Benedix, Geschäftsführerin des Jazzbüro Hamburg e.V., die sich in ihrer Diplomarbeit mit der Geschichte des Jazz in Hamburg befasste, erinnert sich noch genau an die Dornröschenschlaf-Phase: „Als 1996 das Jazzbüro von Journalisten, Veranstaltern, Musikern und Jazzliebhabern in die Wege geleitet wurde und ich im Diplomstress steckte, gab es hier kaum Musiker, nur einige bekannte Clubs, und ins Birdland beispielsweise kamen oft nur drei Zuschauer. Wenn man das mit der heutigen Situation vergleicht, hat sich die Szene seit dieser Zeit enorm entwickelt!“ Auch Saxofonist Gabriel Coburger kennt Vergangenheit und Gegenwart: „Beim Dennis Swing Club war es damals nicht möglich, jemanden zu finden, der einmalig 40.000 DM und monatlich 3000 DM Miete bereitstellt, um dieses Original zu retten. Die Szene war schlicht zu klein und zu provinziell. Das ist jetzt anders: Junge Leute sind engagiert, es entsteht etwas Größeres, was auch die Kulturbehörde bemerkt. Wird auch höchste Zeit!“

Diese Aufbruchstimmung zeigt sich anhand vieler Beispiele: Die zahlreichen gemeinnützigen Vereine und Initiativen haben sich neuerdings im Stile eines Runden Tisches vernetzt, um die Kräfte zu bündeln und künftig auch inhaltlich besser an einem Strang ziehen zu können. ÜberJazz, Jazz Open Hamburg, Jazztrain und Elbjazz heißen die teilweise von ihnen organisierten Festivals, die übers Jahr verteilt die Berührungsängste gegenüber Jazz abbauen sollen. „Oft kommen Festivalbesucher zu uns an den Infostand und sind verwundert, dass diese Musik, die sie eigentlich sehr schön finden, Jazz ist“, so Benedix schmunzelnd. Wichtig war Hamburg als Konzertstadt schon immer, was die beiden großen Konzertveranstalter, Hans-Werner Funke und Fritz Rau, früh erkannt haben. Als ein Motor der Live-Kultur gilt auch Karsten Jahnke mit seiner gleichnamigen Konzertdirektion: Jahr für Jahr zeichnet sich der passionierte Jazz-Fan exklusiv für das erlesene Programm an der Open-Air-Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark verantwortlich. Und er bringt mit den Konzertreihen JazzNights und JazzToday die Stars auf deutsche Bühnen. Jahnke gibt jedoch zu bedenken: „Festivals wie Elbjazz oder Überjazz, die wir mit veranstalten, können allerdings nur überleben, wenn es uns gelingt, Sponsoren oder Förderer zu bekommen.“

Internationale Big Player präsentieren sich vor allem in der Laeiszhalle, der Fabrik, auf Kampnagel oder besagter Open-Air-Bühne im Stadtpark. Regelmäßige Jazzkonzerte in der Woche bieten nicht nur die renommierten Spielstätten (Birdland, Cotton Club, Jazzclub im Stellwerk), sondern auch Dutzende weiterer Läden, in denen meist lokale Musiker ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen. Auswahl gibt es genug: Die Webseite www.swinging-hamburg.de listet allein 74 meist traditionelle Jazzbands aus Hamburg auf. Protagonisten wie Herb Geller, Axel Zwingenberger, Torsten Zwingenberger, Gottfried Böttger, Ladi Geisler oder Wolfgang Schlüter prägen seit Jahrzehnten den lokalen Konzertbetrieb, weiteres Namedropping ermöglichen Nils Gessinger, Sandra Hempel, Heinz Lichius, Ulita Knaus, Jonas Schoen, Tina Jäckel, Roger Cicero, Burkhard „Buggy“ Braune, Ben Hansen, Joe Gallardo, Boris Netsvetaev – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus sind es heute die Musiker selbst, die mit privatem Engagement spannende Jazzabende in ungewöhnlicher Umgebung ermöglichen: Bassist Philipp Steen in der „Pony Bar“ neben dem Abaton-Kino, Gabriel Coburger in der „Bar 227“, Saxofonist Tadeusz Jakubowski mit der „Foolsgarden“-Reihe oder Bookerin Eva Johannsen mit dem „Jazzraum“ im Hafenbahnhof. Interdisziplinär geht es in der Veranstaltungsreihe „Lautsprecher“ zu, wenn Schauspieler und Jazzmusiker ungebremst aufeinandertreffen. Gabriele Benedix: „Generell hat man das Gefühl, dass die Musiker in Hamburg nicht ganz glücklich sind, weil es im Vergleich beispielsweise zu Berlin weniger kreativ-schräge Möglichkeiten gibt, sich auszuprobieren. Beim ,Lautsprecher‘ spürt man jedoch jedes Mal einen unglaublichen Elan, der von den Akteuren ausgeht und alle mitreißt.“

Hamburg ist bekanntlich auch eine sehr attraktive Stadt – nicht nur für Jazzer. Das Kulturangebot in den Bereichen Musicals, Kunstausstellungen und Clubs dürfte deutschlandweit absolut überdurchschnittlich sein. Die Städte-Vergleichsstudie „L(i)ebenswertes Hamburg“ des HWWI sieht die Hansestadt deutschlandweit bei den Umweltbedingungen, der Zahl der Wasser- und Erholungsflächen und der Wirtschaft vorn. Nur in Berlin ist der Abstand der Gehälter bei Männern und Frauen genauso gering wie in Hamburg, nur München hat seit dem Jahr 2000 mehr Einwohner hinzugewonnen. Hamburg ist die Stadt mit dem europaweit höchsten Pro-Kopf-Einkommen, doch dementsprechend hoch sind auch die Lebenshaltungskosten und zentraler Wohnraum heiß umkämpft. Um die Miete finanzieren zu können, arbeiten viele Jazzmusiker als (Musik-)Lehrer, Dozenten, oder sie docken an einen der Touristenmagnete an: Musicals. „Es laufen hier wirklich viele Produktionen, die alle dauerhaft Musiker brauchen“, so Benedix. „Das ist ein triftiger Grund für viele, in Hamburg zu bleiben. Allein von der Jazzmusik leben konnten und können die Musiker meines Wissens nicht.“

Im wahrsten Sinne förderlich wirken da die Aktivitäten der Dr. E. A. Langner-Stiftung: Zum einen schreibt sie jährlich drei Arbeitsstipendien in Höhe von jeweils 5000 Euro für Jazzmusiker bis 30 Jahre aus (zuletzt Lukas Klapp, Jahrgang 1989, Oliver Gutzeit, Jahrgang 1984, und Martin Terens, Jahrgang 1985). Zum anderen unterstützt sie den Jazzbereich an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) mit Stiftungsprofessuren (Gesang und Percussion) und Sachspenden. Der Hamburger Jazzpreis, dotiert mit 10.000 Euro, wird ebenfalls von der Stiftung vergeben – in diesem Jahr an Vladyslav Sendecki, seit 1996 Hauspianist der hochkarätig besetzten NDR Big Band. Zudem ist die Stiftung an einem weiteren, für die Zukunft möglicherweise wegweisenden Projekt beteiligt: Gemeinsam mit der HfMT erarbeitete man ein Konzept für eine „HfMT Academy of Jazz, Pop & Contemporary Music“. Ziel ist die Schaffung einer bundesweit einzigartigen Institution von „nationaler und internationaler Strahlkraft“ in Hamburg. In einer von der Behörde für Wissenschaft und Forschung ausgeschriebenen Machbarkeitsstudie wurden die Grundlagen und Rahmenbedingungen formuliert und Realisierungsmöglichkeiten aufgezeigt. Der Ausgang? Bei Redaktionsschluss noch offen.

Um Hamburgs Jazzszene auch im Ausland zu repräsentieren, rang sich die Stadt 2010 zu drei Jazztrips durch: 25 Teilnehmer reisten zum Dubai International Jazz Festival, eine Delegation organisierte auf der Expo Shanghai gemeinsame Auftritte mit Einheimischen, und ausgewählte Musiker fuhren nach Prag, der Partnerstadt Hamburgs, um dort zu musizieren. Doch was nützt das Bemühen um ein positives Image in der Ferne, wenn die Bildungsbehörde vor Ort einen entscheidenden kulturpolitischen Punkt so derart vernachlässigt: die Hochschule. „Das ist auch wichtiger Kritikpunkt vonseiten der Musiker“, bestätigt Gabriele Benedix die universitäre Stagnation. „So wie sie jetzt läuft, ist die Hochschule nicht konkurrenzfähig. Trotz der langen Tradition können momentan nur 27 Studenten einen Jazz-Abschluss machen. Und das in einer Stadt mit zwei Millionen Einwohnern – ein Witz!“ Für Karsten Jahnke sollte bereits in der Schule mit der „Jazz-Erziehung“ begonnen werden, „denn was nützt die ganze Förderung, wenn das Publikum ausbleibt? Ich glaube, nur mit einem verbesserten Musikunterricht kann man langfristig dafür sorgen, dass der Jazz wieder mehr Besucher bekommt.“

Auch wer klassische Jazzkritik in den Printmedien sucht, hat es in Hamburg schwer. Trotz diverser Tageszeitungen und Stadtmagazine ist sowohl die Qualität als auch Quantität der Berichterstattung ausbaufähig. Im Hörfunkbereich müsste die Jazzredaktion des NDR seine Möglichkeiten auch stärker nutzen, um neben Spartensendern („Le Journal du Jazz“ auf FSK oder Jazzhausradio auf TIDE 96,0 bzw. hamburgjazz.radio.de) breitere Publikumsschichten anzusprechen. Denn das Interesse ist vorhanden, was allein die Gruppe „Jazz in Hamburg“ beim Xing-Netzwerk beweist, die bereits mehr als 2000 Mitglieder zählt. Auch die Labellandschaft floriert mit mindestens vier namhaften Indie- und einer Major-Plattenfirma – der Wegzug von Universal nach Berlin 2002 scheint kompensiert. Dass die Verantwortlichen konkret in kulturelle Aktivitäten involviert sind, zeigt das Beispiel von Herzog Records in persona Rüdiger Herzog: Die Anfrage des Dubai Jazz Festivals nach den Nighthawks, die bei seiner Firma unter Vertrag stehen, wandelte der Musikproduzent mit Geschick beinahe zu einem Hamburg-Schwerpunkt des Festivals (Tingvall Trio, Nils Wülker, Nighthawks, Lutz Büchner Quartett, Mischa Schumann Trio, Massoud Godemann Trio und das Quintet Jean-Paul) um.

Bei aller berechtigten Kritik: Wer den Fokus auf das Umland in den benachbarten Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen richtet, merkt sehr bald, wie privilegiert die Situation in Hamburg dennoch ist. Das kulturelle Geschehen konzentriert sich signifikant auf das Stadtgebiet. Als Ausnahme sei der Jazzclub im Stellwerk (Hamburg-Harburg) genannt, der, betrieben vom gleichnamigen Förderverein, mit einem sehr mutigen und engagierten Programm aufwartet. Im weiteren Umkreis lassen sich allenfalls die erstaunlich lebendige Jazzszene in Lüneburg, ein Festival in Pinneberg, ein Veranstalter-Team in Hanerau-Hademarschen (Dithmarschen) und das Schleswig-Holstein Musik Festival (in diesem Jahr vom 9. Juli bis 28. August) inklusive JazzBaltica aufzählen. Auch Gabriele Benedix sieht eindeutig die Tendenz in die richtige Richtung: „Hamburg steht nicht für die beste individuelle Kulturförderung, auf der anderen Seite hab ich das Gefühl, dass man zumindest im Bereich Jazz mittlerweile auf viel offenere Ohren stößt – und nicht nur, weil die damalige Oppositionspartei das zum Thema gemacht hat.“ Als Beispiel nennt Benedix das noch junge Projekt Jazz Moves, eine Initiative der Hamburger Jazzszene, die auf Anfrage der Kulturbehörde und einer Kreativbehörde entstand. Das Ideenkarussell rotiert, mit dem langfristigen Ziel: Teilnahme am Programm von Marseille 2013 als Europas Kulturhauptstadt. Und zwar mittendrin, statt nur dabei. Es spiegelt das neu entflammte Selbstbewusstsein der Hanseaten im Umgang mit ihrer (wieder) ins Herz geschlossenen Jazzmusik. Der mittlerweile amtierende Erste Bürgermeister Olaf Scholz hat seine Unterstützung angekündigt: „Jazz ist […] ein Experimentierfeld, auf dem sich andere Kunstformen entwickeln können. Ich wünsche mir, dass die Hamburger Jazzszene mit ihren vielen guten Ansätzen und ihrer Aufbruchstimmung mehr Wind unter die Flügel bekommt.“

Infos

Spielstätten:

Alfred Schnittke Akademie, www.schnittke-akademie.de
Bar 227, www.bar227.de
Birdland, www.jazzclub-birdland.de
Consortium, www.consortium-harburg.de
Cotton Club, www.cotton-club.de
Culturhaus SternChance, www.sternchance.de
Fabrik, www.fabrik.de
Feuerschiff, www.das-feuerschiff.de
Foolsgarden, www.foolsgarden-theater.de
Goldbekhaus, www.goldbekhaus.de
Hafenbahnhof, www.hafenbahnhof.com
Jazzclub im Stellwerk, www.stellwerk-hamburg.de
Kampnagel, www.kampnagel.de
Laeiszhalle, www.elbphilharmonie.de/laeiszhalle.de
Music-Club LIVE, www.music-club-live.de
NDR: Rolf-Liebermann-Studio/Studio 1, www.ndr.de
Pony Bar, www.ponybar.de
Stadtpark – Open-Air-Bühne, www.karsten-jahnke.de
Stage Club, www.stageclub.de


Initiativen:

Förderverein Jazzclub Hamburg e.V., jetzt Förderverein Jazzclub im Stellwerk e.V., homepage.hamburg.de/jazzclub
Freundeskreis Jazz Club Bergedorf e.V., www.jazzclub-bergedorf.de
Freundeskreis JazzCity Hamburg, www.jazzbuero-hamburg.de
Jazzbüro Hamburg e.V., www.jazzbuero-hamburg.de
Jazz Federation Hamburg e.V., www.jazzclub-birdland.de
Landesmusikrat in der Freien und Hansestadt Hamburg
Jazzhaus Hamburg e.V., www.jazzhaushamburg.de
Swinging Hamburg e.V., swinginghamburg.de


(Jazz-)Labels:

Edel Kultur, www.edel.com/de/audio/jazz-weltmusik
Herzog Records, www.herzogrecords.com
Minor Music, www.minormusic.de
Skip Records, www.skiprecords.com
Warner Music, www.warnermusic.de


Festivals:

ÜberJazz – Hamburger JazzTage, www.jazzbuero-hamburg.de
Jazz Open Hamburg, www.jazzbuero-hamburg.de
Jazz Nights, www.karsten-jahnke.de
Jazztrain, www.jazztrain-hamburg.de
Elbjazz Festival, www.elbjazz.de
Lautsprecher, www.jazzbuero-hamburg.de
Tag der Musik, www.tagdermusik-hamburg.de


Ausbildung:

Hochschule für Musik und Theater (HfMT), www.hfmt-hamburg.de
Workshops in der Landesmusikakademie Hamburg, www.landesmusikakademie-hamburg.de

Bewertung

1. Clubs & Konzertangebot, 8:
Hamburg war und ist eine Konzertstadt. Wer den Überblick behält, kann an jedem Abend der Woche ein Jazzkonzert finden – und hat die Wahl zwischen überraschenden (Hafenbahnhof), etablierten (Birdland) und gediegenen (Laeiszhalle) Locations.

2. Festivals & Konzertreihen, 9:
Der frische Schwung an neuen Festivals macht richtig Lust auf das laufende Jazz-Jahr, sei es am Hafen, in der U-Bahn oder in Planten un Blomen! Von Death Metal Jazz bis Afrojazz sind alle Stilrichtungen vertreten. Und zur Not ist es bis nach Salzau zur JazzBaltica auch nicht weit.

3. Musikerdichte, 8:
Allen Unkenrufen zum Trotz hält sich in Hamburg eine beachtliche Zahl an hochklassigen (Jazz-)Musikern, die vor allem mit generationsübergreifenden Projekten überzeugen. Jetzt muss nur dafür gesorgt werden, dass die Nachwuchskräfte nicht in Richtung Berlin abwandern – oder besser noch: dass die Abgewanderten wieder zurückkommen.

4. Förderung, 5:
Die Kassen sind knapp. Entsprechend knapp bemessen ist die Unterstützung der Stadt für dringende Maßnahmen. Lobenswert sind da die gezielten Fördermittel der Dr. E. A. Langner-Stiftung.

5. Kulturpolitik, 3:
Was in den vergangenen Jahren kulturpolitisch ignoriert wurde, könnte jetzt nach und nach wachgeküsst werden. Christa Brockmann, Referentin für Kultur, Medien und Sport in der SPD-Bürgerschaftsfraktion, erkannte mit ihrer Großen Anfrage im vergangenen Jahr die Zeichen der Zeit.

6. Arbeitsmöglichkeiten für Musiker, 5:
Auftrittsmöglichkeiten sind vorhanden, die Gagen aber mäßig. „Das Taxigeld kriegt man zumindest überall wieder rein“ (Benedix). Doch die Konkurrenz ist groß. Ebenso bei der Suche nach alternativen Jobs. Können ja nicht alle bei „König der Löwen“ landen…

7. Ausbildung, Nachwuchs, Vernetzung, 2:
Die HfMT bietet das Jazzstudium als vierjährigen Bachelor-Instrumentalstudiengang und als zweijähriges Master-Studienangebot Jazzkomposition – mit direkter Anbindung an die NDR Bigband – an. Doch 27 Plätze sind viel zu wenig!

8. Medien, 7:
Als Medienstadt bietet Hamburg viel Potenzial: Labels, lokale und überregionale Tageszeitungen, Rundfunk, Online-Plattformen – alles in der Breite zahlreich vorhanden. Doch es hapert ein wenig an der Spezialisierung abseits der üblichen Verdächtigen.

9. Urbane Lebensqualität, 9:
Wer nach der Mietabbuchung noch finanzielle Reserven hat, kann eine l(i)ebenswerte Metropole mit viel Wasser, Grün und vielseitiger Freizeitkultur genießen. Dem einen passt das Wetter nicht (kalt! nass!), dem anderen der Hamburger an sich (unterkühlt! spröde!). Alles eine Frage der Einstellung.

10. Umland/Region, 6
Die meisten Hamburger kommen nur sehr selten aus ihrem jeweiligen Stadtteil heraus. Wenn Umland, dann Sylt. Für den Jazzfreund lohnt sich der Ausflug in einen anderen Stadtteil oder gleich nach Harburg, Lüneburg oder Salzau.