Juvenile Energie in vollendeter Harmonie

Jazzessence, das LandesJugendJazzOrchester Hamburg, harmonierte im KulturForum fast wie alte Hasen

Wie gut, dass dem Baby ein neuer Name gegeben wurde. LandesJugendJazzOrchester Hamburg klingt nicht nur "so behördlich", wie es Nils Gessinger als Leiter formulierte. Nein, Jazzessence charakterisiert auch wesentlich besser die juvenile Energie der modern ausgerichteten BigBand. Um es vorwegzunehmen: Gessinger hat seit der Übernahme 1997 ganze Arbeit geleistet und mit dem 19-köpfigen Ensemble für das Konzert im KulturForum ein tolles Programm erarbeitet.

Dass alle Akteure unter der Altersgrenze von 25 lagen, wurde zu keiner Phase an der Qualität des Vortrages deutlich. Erst als Gessinger einem Saxofonisten zum demnächst bestandenen Abitur gratulierte, konnte der Hörer einordnen: Die sind gut, richtig gut! Als Dirigent machte Komponist und Arrangeur Gessinger eine ähnliche Figur wie sonst am Klavier. Mit ausgeprägter Körpersprache, gestikulierend und tanzend, lebte er die Musik und erhielt so die Spannung bei seinen Schützlingen: Einige Ansagen wirkten bei aller Lockerheit jedoch etwas unglücklich. Bei Jazzessence klappte besonders das Miteinanderspielen und Aufeinanderhören, das ein gegenseitiges Übertrumpfen mit Lautstärke verhinderte. Die feinen Dynamikabstufungen und die angenehme Akustik verstärkten diesen positiven Aspekt noch zusätzlich.

Im zweigeteilten Set ging es quer durch den Garten des BigBand-Repertoires. Standards wie Sweet Georgia Brown trafen auf rhythmisch akzentuierte Latin-Songs, die rührende Ballade Until Morning auf Fusion-Nummern des Saxofonisten Bob Mintzer, der als Dozent auch mit Jazzessence zusammenarbeitet. Ein vielfältiges Programm, aber nicht wahllos. Wie üblich konnten sich in jedem Song mehrere Musiker als Solisten beweisen: Nils Nöhden an der Posaune bei Acha, der Kieler Gitarrist Christian Stick bei One Man Band oder Sabine Wenzel am Saxofon. Touraj Tajbakhsh wirkte am Flügel anfänglich etwas verunsichert, steigerte sich aber bis zu Coltrane's Impressions. Als Schmankerl brachte das reizende Gesangsduo Aneta Barcik und Kathi Mohr frischen Wind in die Instrumentalstücke. Bei What's New? klangen sie etwa wie Incognito, und auch drei weitere Male brillierten die beiden mit jeweils weichem und klarem Timbre. Das zahlreiche Publikum honorierte brav die Soli mit Szenenapplaus, zeigte aber auch ein feines Gespür für herausragende Leistungen. Denn von dem einen oder anderen Musiker des LJJO wird man noch hören.

Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 18.02.2003