Jazzica im KulturForum

Von Henrik Drüner


Das Konzert des A-cappella-Frauenchores stand ganz im Zeichen des Mondes. Zur Releaseparty der zweiten Jazzica-CD „Moondance“ war die Bühne im KulturForum mit einem Styropor-Erdtrabant und Sternen dekoriert worden und beinahe sämtliche Ansagen und kleinen Anekdoten drehten sich um das 4,6 Milliarden Jahre alte Nachtgestirn.

Ein weiteres Hauptthema zielte jedoch auf die Männer ab, die Spezies mit den zwei Gesichtern: Erst erzählen sie den Damen das Blaue vom Himmel und am nächsten Morgen war alles nicht so gemeint. Merke: In einem Frauenchor wird Tacheles geredet und mit geballter Weiblichkeit auf Missstände hingewiesen! Chorleiter Till Kindschus aber wusste sicher, worauf er sich 1990 einließ, und die Freude an seiner Arbeit war ihm deutlich anzusehen: Tänzelnd und mit ausladender Mimik und Gestik wies er einzelne Stimmgruppen an oder bereitete wechselnde Tempo- und Lautstärkesequenzen vor.

Musikalisch hat sich das 29-köpfige Kieler Ensemble vom Barbershop-Stil - dem amerikanischem A-cappella-Gesang - verabschiedet. Geblieben sind allerdings die damit verbundene Choreografie sowie der unbeschreibliche „close-harmony“-Effekt, mit dem die Songs zwischen Pop, Jazz und Musical neue Klangerlebnisse liefern. Vor der Pause intonierten Jazzica „The Rhythm of Life“, reisten mit „Aquarius“ zum Sommer der Liebe, ließen Luftballons in Herzform zu „I can’t give you anything but love“ aufsteigen oder beklagten „Lonely nights“ – doch richtig freigesungen hatten sie sich in der zweiten Hälfte des Programms. Nun passten die gefährlichen Halbtonverschiebungen der anspruchsvollen Arrangements, setzten die Solistinnen immer neue Höhepunkte, etwa beim ausgelassenen „That cat is high“ oder dem Klassiker „It don’t mean a thing“ von Duke Ellington. „Wow!“ raunte es aus dem voll besetzten Zuschauerraum, frenetischer Applaus belohnte die deutliche Steigerung. Würdig endete das Konzert der zwei Gesichter mit „Moondance“, dem Titelstück der Neuveröffentlichung, an dessen Umsetzung Van Morrison seine helle Freude gehabt hätte. War man und frau nun hochgradig mondsüchtig? Dank der zweiten Hälfte: ja!