Jon Hammond Show bot im Blauen Engel leidenschaftlichen Hammond-Sound

Versierte Fingerflitzer

 

Kiel - Er scheint die Einladung ernst gemeint zu haben. Vor dem Konzert drückt Jon Hammond dem verdutzten Rezensenten seine Visitenkarte in die Hand. „Hi, ich bin Jon, ohne h. Wenn du das nächste Mal in New York bist, komm vorbei!“ Für den Weltenbummler sind Orte nur Stationen auf seinem Lebensweg. Chicago, Paris, Frankfurt-Bornheim, Hamburg-St.Pauli, New York. Die vielen Menschen und Musiker, die der Organist kennenlernt, bilden die Grundlage, auf der er seine späteren Referenzen, Anekdoten und Songgeschichten aufbaut. Und Jon kennt sie fast alle.

Das Konzert im Blauen Engel firmiert unter The Jon Hammond Show. Warum, spüren die Zuschauer bereits nach der ersten Ansage. Jon Heda alias Jon Hammond ist ein Showman, ein Dampfplauderer, geschult in Jahrzehnten als Radio- und TV-Moderator. Obendrein ist der 55-Jährige ein ausgezeichneter Organist an der Hammond Orgel. Mit der instrumentalen Jazz-Revue begibt er sich auf die Spuren von Miles Davis, The Crusaders und Jimmy Smith, immer nach dem Slogan handelnd: „The fingers are the singers“.

Im Spiel geht Jon Heda absolut in seiner Musik und seiner Leidenschaft für den guten alten Hammond-Sound auf. Mit 18 Jahren kaufte er sich seine erste Hammond B3 und tourte mit der Rockband Hades im Vorprogramm von Tower Of Power oder Michael Bloomfield. Erst 1991 legte er sich eine digitale und leichtere XB-2 zu. Ein regelrechter Genießer: Seinen Kopf wiegt er ständig von einer Seite zur anderen, windet sich wie Stevie Wonder über seinen Fingern. Die linke Hand ersetzt dabei größtenteils den Part eines Bassisten, zusätzlich zu den verschiedenen Klangfarben, die er manuell justiert.

Nicht zu ersetzen sind die Musiker, die die Jon Hammond Show auf der Bühne komplettieren. Heinz Lichius trommelt wie in jeder seiner Formationen aufs Allerfeinste, der 26-jährige Sebastian Gille verblüfft anstelle von Gabriel Coburger am Saxofon mit feinfühligen, gleichwohl kraftvollen Soli und Gitarrist Joe Berger gleicht einem Saiten-Hasardeur. Auch wenn er nicht der ehemalige Who-Gitarrist ist, wie es die Veranstalter-Info weismachen möchte - zumindest spielte er bereits mit Who-Bassist John Entwistle und sorgte in dessen Band für den Studio-Mix.

Ein Hauptmerkmal der Instrumental-Songs: eingängige Melodie und markante Grooves. Jon Hammond verarbeitet die Begegnung mit einem traurigen Mädchen in Paris oder dem tschechischen Salsa-König ebenso wie das nächtliche Wühlen im Hotelmüll. Neben Jazz-Elementen ist sein Stil tief verwurzelt im Rock, Funk, East Bay Grease, Bossa Nova, Soul und Rhythm & Blues. Bisweilen klingen die seichten Stücke, allen voran Duke Ellingtons "Satin Doll" oder "Moanin'" von Art Blakey & The Jazz Messengers, wie auf einem Kreuzfahrtdampfer, aber die Protagonisten reißen frühzeitig das Ruder herum, indem sie mit Shuffle-Witz und Funk-Schweiß dagegen halten.

KN-Online