Jonah Matranga - Ein Motor des Emorock-Genres

 

Kiel – „In Zahlen: 17 Jahre, vier Bandnamen, sechs Alben, fünf EPs, einige Split-Veröffentlichungen, mehrere Compilations, über 100 Songs, über 1000 Shows. Sinead O’Connor meets Cheap Trick.“ So nüchtern es klingt, wenn Jonah Sonz Matranga seine bisherige musikalische Vita zusammenfasst, so umfassend ist sein Einfluss auf andere Bands und vielseitig sein stilistischer Horizont. Nachdem Matranga bereits im vergangenen Dezember im Weltruf spielte, gibt es morgen ein Wiedersehen mit dem Sänger und Gitarristen aus San Francisco.

Er hatte damals versprochen, wiederzukommen. Und er hält sein Wort. Der 38-Jährige charakterisiert sich als völligen Rockstreber, als ein Kunstidealist, der sein erstes Soloalbum im Jahre 1994 selbstironisch „Songs I Hope My Mom Will Like” betitelte. Einen Namen in der Musikwelt machte er sich vor allem als Mitbegründer und Kopf der Emorock-Bands Far (1991-1998), New End Original (2001-2002) und onelinedrawing (1999-2004). Er prägte entscheidend den Aufschwung des Emorock-Genres, also kraftvolle Rockmusik, die gleichzeitig viel Wert auf Melodien und Leid geplagte Texte legt.

Doch im Rückblick scheint die Arbeit mit Bands für Matranga nicht immer leicht gewesen zu sein. „Far war gut zum Erwachsenwerden. New End Original und Gratitude waren in vielerlei Hinsicht ein Albtraum, aber ich bin dennoch stolz auf die Songs und die Shows. Schlussendlich habe ich daraus gelernt, dass ich, auch wenn ich den Rock liebe, diesen nicht in auf die übliche Weise in einer Band umsetzen kann.“

Seine aktuellen Singer/Songwriter-Kompositionen klingen verhaltener und zufriedener, gebündelt auf dem Album „And“, das im September 2007 beim Label Arctic Rodeo Recordings veröffentlicht wurde. Matranga stellt darauf sein Händchen für Dynamik und Arrangements unter Beweis, lässt trotz der Reichhaltigkeit an Esprit und Ehrlichkeit ein gewisses Selbstverständnis einkehren.

Er, der für so viele etablierte Bands wie Deftones oder Blink 182 als Einfluss herangezogen wurde, ohne aber jemals so wie sie zu klingen oder gleichwertigen Ruhm zu erlangen. Er, der Mann der vielen Gesichter, der sich selten in den Vordergrund stellt und immer die Musik lebt und in ihr aufgeht. Für seine Alben hatte er Budgets zwischen 300 und 300000 Dollar zur Verfügung, spielte Tourneen mit Künstlern von The Weakerthans bis zu Sepultura, und er genießt Respekt überall auf der (Musik-)Welt. Zuletzt tauchte Jonah Matranga sogar als Gastmusiker auf HipHop-Platten von Fort Minor und Lupe Fiasco auf.

Vom wilden Rocker geht es jetzt zurück zu den amerikanischen Wurzeln. Seine vielleicht größte Kunst: Er vermag es, jeden Raum in ein kleines Wohnzimmer mit Freunden zu verwandeln. Als Support wollen Pull A Star Trip aus Paderborn den Beweis antreten, dass eine deutsche Band „nicht platten und leblosen Rock machen muss.“

Mittwoch, 16. Juli, 21 Uhr, Weltruf (Lange Reihe 21-23), Support: Pull A Star Trip


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