Joyce & Banda Maluca feat. Bugge Wesseltoft

Ganz trennen wird sich Joyce von ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro und dessen musikalischen Wurzeln im Samba und Bossa Nova nie. Doch nach beachtlichen 35 Jahren und 23 Alben im Musikzirkus steht es der bekanntesten Songwriterin, Sängerin und Gitarristin Brasiliens wohl zu, sich abseits des Zuckerhuts ein wenig umzusehen und neue Impulse in ihre Lieder einfließen zu lassen. „Bossa ist immer präsent für mich, da er so viele Möglichkeiten bietet. Mich bewegen aber genauso andere Stilrichtungen aus verschiedenen brasilianischen Regionen – das Land ist so riesig! -, wodurch das Gesamtbild des Albums bunter wird.“

Auf „Just A Little Bit Crazy“ (Far Out/Soulfood) nutzte Joyce aus diesem Grund auch unbekanntere Rhythmen wie Xote oder Guarania. Dass sie ihre Begleitband „Banda Maluca“ nennt, hat seinen Ursprung im letzten Japanaufenthalt, bei dem sie ihre Mitspieler eines Abends als „Crazy Band“ vorstellte und der Name fortan bestehen blieb. Im Studio soll die Truppe mit Joyce’s Ehemann und Schlagzeuger Tutty Moreno, Bassist Rodolfo Stroeter und Robertinho Silva an den Percussion ebenfalls viel Spaß gehabt haben. „Wie ausgerechnet der Kontakt zum Norweger Bugge Wesseltoft entstand? Rodolfo und er sind seit Jahren befreundet. Da ich mir mehr Interaktion mit verschiedenen Kulturen, zum Beispiel europäischen Jazz, wünschte und Bugge bereits mit brasilianischer Musik vertraut gewesen war, fiel die Entscheidung beiderseits leicht.“

Wesseltoft unterstützt an Piano und Fender Rhodes zurückhaltend die luftig arrangierten Songs, die trotz der charakteristischen Melancholie absolut positive Vibrationen versprühen. Eine Ausnahme stellt „Os Medos“ dar: „Es gibt viele Ängste, die Menschen plagen: Angst vor dem Glücklichsein, vor dem Glücklichwerden und dazu der ganze Druck, den man im Leben spürt. Daher habe ich viel Freunde gefragt, am Ende des Songs in ihrer Muttersprache ‚Angst vorm Leben’ zu sprechen. Es soll damit der universelle Charakter dieses Problems - besonders in der heutigen Zeit - signalisiert werden.“ Doch jetzt steht für Joyce Silveira Palhano de Jesus die UK/Japan-Tour auf dem Plan. Und die Gelegenheit, ihre Liebe zum Live-Moment und dessen eigene Magie ein weiteres Mal neu zu entdecken. Henrik Drüner