Kabuki wandelt den schmalen Grat zwischen funktionalem Dancefloor und Komposition

Der Künstlername Kabuki, mit dem sich Jan Hennig schmückt, kommt aus dem Japanischen und bezeichnet eine klassische Theaterform. Noch passender: Die einzelnen Silben haben separate Bedeutungen und stehen für Musik, Tanz und Technik – alles Begriffe, die mehr oder weniger direkt mit Hennigs Job als Diskjockey zu tun haben.

Seit nunmehr vier Jahren produziert der dienstälteste Drum&Bass-DJ aus Deutschland unter seinem fernöstlichen Alter Ego eigene Tracks, um diese in sein abendfüllendes Programm einbinden zu können. Das aktuelle Album Signal to Noise (Combination/PP Sales) spiegelt diese Schaffensphase von Kabuki eindruckvoll wider, wandelt es doch auf dem schmalen Grat zwischen funktionalem Dancefloor-Track und komponiertem Song. Leichtfüßig und mit präzisen Grooves ausgestattet, streifen die cineastischen Ergüsse verschiedenste Stile wie Dub-Reggae, Detroit-Techno oder HipHop und sind daher sowohl für den Clubeinsatz als auch die Wohnzimmerbeschallung geeignet.

Woher der musikalische Background kommt? Hennig studierte Klassische Gitarre am Frankfurter Konservatorium sowie Jazz-Theorie, Gehörbildung und Komposition in Wien, entspricht also gar nicht dem Klischee vom unwissenden Plattendreher. Nebenher betreibt er mit Spectrum Works ein eigenes Label und wurde nach einer Japan-Tour prompt als Sound-Designer und Komponist bei Sony Playstation in Tokio eingestellt. Die Affinität zum Land der aufgehenden Sonne wurde bereits mit den Projekten Makai und Megashira deutlich, die Hennig gemeinsam seit dem Ende der 90er mit seinem Partner Frank Marheineke alias Mainframe ins Leben rief. Immer gleich bleibend: die Energie, mit der Jan Hennig Signale bündelt und akustische Information filtert. Henrik Drüner

Freitag, 23 Uhr, Luna

nordClick/Kieler Nachrichten vom 27.05.2004 01:00