Offene Strukturen, kein Stillstand

Kajak und Pascal Fuhlbrügge kommen in die Hansastraße 48


Auf das Hamburger Netzwerk von Musikern ist weiterhin Verlass. Der rege Austausch von Bandmitgliedern im Zusammenspiel mit befreundeten Labelmachern und DJ's spült immer neue Projekte an die Oberfläche, deren Ideen sich gegenseitig befruchten. Offene Strukturen verhindern Stillstand. Am Anfang war Indierock auf sich allein gestellt, und die sogenannte Hamburger Schule eine große, aber musikalisch meist auf klassische Bandinstrumente beschränkte Familie. Die lässt nun seit einigen Jahren vermehrt digitale Klänge in die Produktionen einfließen, ohne dabei einen aufgezwängten Charakter zu bekommen oder einem Trend folgen zu müssen.

Beim Duo Kajak verhält es sich ähnlich: Matthias Rothaug spielte schon bei "Fink" und "Die Braut haut ins Auge", bevor er sich mit Andreas Reth (u.a. Concord) zusammentat, um eine eigene Version von elektronischem Gitarrenpop zu verwirklichen. Ihr aktuelles Album "Haus der Jugend" versprüht mit dem Titel und der Covergestaltung – Zelt mit Campingtisch und Stühlen auf grüner Wiese – zwar noch den alten Indiecharme, klingt jedoch frisch und modern. Es ist diese bewusst eingesetzte Dialektik zwischen pulsierender Weltstadt und dem Leben auf dem Land, die nicht nur im Song "Landluft" auch zwischen den Textzeilen durchbricht. Allesamt feine, verspielte Melodien mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und der gewissen Portion Elektronik. Nicht von ungefähr wird Kajak oft in die Nähe der Hamburger Gruppe Die Sterne gebracht: Deren Sänger Frank Spilker produzierte teilweise das Album, und bei "Hundert Thesen" oder "Die Wolken fahren mit mir" kommt dem Hörer die Silbenphrasierung recht bekannt vor. Trotzdem ein ganz eigenes Ding.

Pascal Fuhlbrügge ist noch einen Schritt weiter gegangen. Der Gründer des L'Age d'Or-Labels und der Kolossalen Jugend entfernte sich wegen seiner Liebe zu Italo-Disco und HipHop von den anfangs eingeschlagenen Pfaden. Gemeinsam mit Jimi Siebels (ansonsten bei Egoexpress aktiv) rief er Sand11 ins Leben, während Novack ein Soloprojekt von Fuhlbrügge an Laptop und Sampler ist. Bei beiden geht es nun verstärkt in tanzbare Gefilde mit den Eckpfeilern Pop und House. Henrik Drüner


Morgen, 21 Uhr, Hansastraße 48

Kieler Nachrichten vom 13.11.2002