Keine Zähne im Maul, aber La Paloma pfeifen - Würzig durch Jazzsäure und Männerschweiß

Kiel – Der Programmtext liest sich wie ein opulentes Weihnachtsmahl, bei dem die Band als Riesenvogel aufgetischt wird: „Gewicht (ohne Zubehör): 279 kg. Zubereitung: Nach dem Soundcheck drei Stunden im Backstageraum schmoren lassen und ab und zu Cola dazuschütten. Zum Verzehr in circa 15 Stücke schneiden und im Gehörgang zergehen lassen.“ Als Einzelmusiker konnten sich die Drei bereits einen Namen in der lokalen Szene machen – jetzt bündeln Jochen Gäde, Lars Stuhlmacher und Steffen Frahm ihr Songwriting-Know-How. In der Kieler Schaubude feiern sie heute die Live-Premiere von Keine Zähne im Maul, aber La Paloma pfeifen.

„Stulle (Bassist Lars, Anm. d. Red.) und ich haben uns vor zwei Jahren zusammengesetzt und wollten wieder eine eigene Band mit eigenen Sachen gründen“, beschreibt Sänger und Gitarrist Jochen die Anfangsmotivation. „Los ging es dann bei mir zu Hause mit Aufnahmen auf Achtspurgerät. Wir haben Loops von bekannten Songs genommen und sie gesampelt, daraus unsere Musik gemacht und Texte geschrieben.“ Jochen und Stulle waren bereits als 19-Jährige befreundet, zogen gemeinsam nach Kiel und frönen nun dem auserkorenen Sound.

Auch hier hilft die Info: „Zutaten: 52% Punk, 29% Unterhaltung, Jazzsäure, E 1981, 500 ml Altmännerschweiß, Nikotinaroma, eine Prise ADW, 1 gehäufter Esslöffel Pfeffer im Allerwertesten.“ Der dritte Angestellte Steffen Frahm, der mit Lars schon in der ehemaligen Band TransPORTER zusammenspielte, kam später hinzu, weil der Sound zu zweit live nicht zu realisieren wäre. Er wählte den klassischen Weg, indem er Jochen einen Brief schrieb, ob er mitmachen dürfe. Mit Erfolg. Meist eiert Steffen zwischen Schlagzeug und Gitarre hin und her, je nachdem, ob die Beats aus der Konserve oder live gespielt werden.

Besonders für Jochen Gäde verkörpert die Combo den lange gesuchten Gegenpol zu seiner anderen Band Disco Maxim: „Durch das eigene Songmaterial ist das für mich eine große Freude mit jeder Menge Herzblut.“ Stilistisch sei das alles ein ziemliches Kuddelmuddel, einzuordnen zwischen No Means No und Trio, mit Texten, die auch von Knarf Rellöm oder Oma Hans stammen könnten. „Da muss sich jeder seine Politik rausziehen. Wenn man plietsch genug ist, kann man sich da was bei denken.“ Ein Coverstück von The Minutemen fand den Weg ins Set, aber auch "Schneeschieben", eine Walze von einem Song.

Die Studioaufnahmen für ein Debütalbum sind bis auf den Gesang abgeschlossen. Von daher gibt es heute keine CD-Releaseparty, aber eine Veröffentlichung wird für das Frühjahr angepeilt, entweder über eine Plattenfirma oder im Eigenvertrieb. Bis dahin steht noch viel Probenarbeit an. „Steffen und Lars sind Perfektionisten. Ich spreng' zwar den Rahmen, aber kurz vor dem Auftritt werd' auch ich noch eingenordet.“ Zum Nachtisch serviert die DJ-Dreifaltigkeit, bestehend aus dem La-Paloma-Allstar-Team, gute Musik aus der Dose.

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