John Lennon Talent Award: Förderpreis für Band KellerChaos

Fit für die Zukunft

 

Kiel - Sicherlich einer der erfreulicheren Termine im Wochenkalender des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, gestern, 16 Uhr, Staatskanzlei: John Lennon Talent Award - Übergabe Förderpreis des Landes Schleswig-Holstein an die Band KellerChaos. Die selbsternannten „drei chaotischen Girls“ aus Preetz - Zwillingsschwestern Jana (Gesang, Gitarre) und Rieke Neubert (Bass, 18) sowie Lena Zamjatnins (Schlagzeug, 17) - bekräftigen die These, dass ein Gewinner nicht unbedingt ein Sieger sein muss. Kürzlich im JLTA-Finale unterlegen, machen sie nun einen weiteren Schritt in ihrer noch jungen Karriere. Unser Szenen-Mitarbeiter Henrik Drüner sprach mit Sängerin Jana.

Warum gerade ihr?

Genau weiß ich es gar nicht. Ich glaube vor allem, weil wir `ne Mädchen-Band sind. Und weil wir auf eine ganz andere Art Texte übermitteln: Ich schreibe keine Metaphern, sondern bin ehrlich und direkt. Dadurch wirken wir nicht so verschnörkelt wie andere Bands.

Seid ihr überrascht über den Sonderförderpreis?

Wir waren damals noch eine Ecke geschockter, als wir hörten, dass wir eine von 15 Bands sind, die von allen Teilnehmern am JLTA die einjährige Förderung erhalten. Insofern hatten wir auch gar nicht damit gerechnet, diesen Sonderpreis zu gewinnen. Aber es ist super, na klar!

Welche Veränderungen ergaben sich im Laufe des vergangenen, „geförderten“ Jahres?

Das Songwriting hat sich kaum verändert, vielleicht die Arrangements und das Hintergrundwissen. Aber besonders bei der Bühnenperformance haben wir deutliche Fortschritte gemacht: Bei mir sind das mehr Selbstbewusstsein, mit dem Publikum zu reden, und auch die Ansagen sind besser geworden. Wir als Band wirken mittlerweile als Einheit, vorher standen wir oft stocksteif da und wussten nicht, wohin mit unseren Blicken. Rieke und Lena kommen mehr aus sich heraus. Man kann es sich jetzt anschauen, weil wir auch eine Show bieten.

Im Song „Rockstar“ singst du davon, wie schön es doch wäre, wenn ihr drei Rockstars wärt. Soll der Traum Wirklichkeit werden?

Ich lern gerade für die Abschlussprüfung zur Fachholschulreife. Danach will ich Rock'n'Roll machen. Erstmal sollen aber die beiden anderen fertig werden, und wenn ich eine Ausbildung bekomme, dann verschieben wir die Sache etwas. Generell soll es so weiterlaufen, damit wir eines Tages auf den richtig großen Bühnen und Festivals spielen.

Was ist euer Beitrag?

Beispielsweise proben wir jetzt mit mehr Durchhaltevermögen, weil wir merken, dass es sich lohnt, wenn wir einen Song mehrmals spielen und bei neuen Songs intensiv an Feinheiten arbeiten. Da kommt gut was an Zeit zusammen!? Proberaum ist aber noch immer der chaotische Keller in unserem Haus - da planen wir für die Zukunft eine Schalldämpfung und eine bessere Gesangsanlage. Außerdem haben alle das gleiche Ziel, und auch die Aufgabenverteilung innerhalb der Band läuft jetzt. Ich bin für Kasse, Internetpräsenz und Pressearbeit zuständig. Früher gab es manchmal Streitigkeiten, weil ich über ihre Köpfe hinweg entschieden hab. Jetzt nur noch mit Absprache!

Ihr wirkt wie das Paradebeispiel einer Nachwuchsband, die von rumpeligen Laien zu professionellen Musikerinnen avanciert...

Das stimmt. Ich würde auch jeder Band raten, sich mal beim JLTA zu bewerben. Man kann ja an unserem Beispiel sehen, wohin das führen kann. Die Coaches dort wollen einen nicht verbiegen, sondern zeigen, dass noch mehr möglich ist. Aus uns hätte man keine Fräulein Wunder [Rock-Girlgroup aus Hessen, Anm.d. Verf.] machen wollen und können. Der Poppunk von KellerChaos bleibt als solcher bestehen - nur eben besser.

KN-Online