Klazz Brothers und Edson Cordeiro im Kieler Schloss

Grenzüberschreitung erwünscht


Kiel - Es wäre nicht übertrieben, Edson Cordeiro ein stimmliches Chamäleon zu nennen. Nicht nur, dass sein stilistisches Spektrum von Flamenco über Jazz, Oper bis Gospel, von Rock bis hin zu 80er-Disco-Hits und brasilianischer Volksmusik reicht. Vor allem sein Stimmumfang von vier Oktaven erlaubt dem Sänger und Countertenor schier unbegrenzte Ausdrucksformen.

So vermag er selbst Billie Holiday, Zarah Leander, Edith Piaf oder Madonna in seinem Programm "The Woman's Voice" zu interpretieren. Ins Kieler Schloss führt ihn jedoch ein anderer Anlass: Das Dresdener Trio Klazz Brothers, seit zehn Jahren im weiten Feld zwischen Klassik und Jazz mit ihrer ganz eigenen Musik profiliert, erhofft sich im Zusammenschluss mit Edson Cobeiro ein Crossover-Feuerwerk im Grenzgebiet der Stile. Der Titel: Klazz meets the Voice.

„They are crazy! But I will do it!“, soll der Brasilianer nach ersten Stunden gemeinsamen Musizierens über David Gazarov (Klavier), Kilian Forster (Bass) und Tim Hahn (Schlagzeug) gesagt haben. Das war vor vier Jahren, als die Klazz Brothers das Zusammenspiel unterschiedlicher Kulturkreise ein weiteres mal anregten. Schon bei "Opera meets Cuba" traf das Trio auf die karibischen Percussionisten Alexis Herrera Estévez und Elio Rodríguez Luis und fand wie selbstverständlich zu einer gemeinsamen musikalischen Sprache und einem homogenen Duktus. In diesem Fall hörten sie den Song "Babalu" auf einer CD von Edson Cordeiro und waren von den beiden Sängern sehr fasziniert - um dann beim Lesen des Booklet-Textes festzustellen, dass es sich um ein und dieselbe Person handelte.

Im Laufe eines kurzfristig vereinbarten Experimentiertreffens entstanden erste Teile von Klazz meets the Voice, beispielsweise Paul Ankas "My Way" - vereinigt mit dem Volkslied "Guten Abend, gute Nacht" in der Vertonung von Johannes Brahms. Die humorvollen, teilweise überraschenden Arrangements und Kompositionen aus der Feder der Klazz Brothers prägen das gemeinsame Programm.

Ohne Scheu vor musikalischen Gattungsgrenzen kombinieren sie mühelos Bach mit Morricone oder Jobims "Girl From Ipanema" mit Mozarts "Zauberflöte". Und sie bleiben immer auf der Suche nach Bereichen, deren Grenzen unter Wahrung des ursprünglichen Werkgedankens aufgebrochen werden können, um daraus ein neues Werk entstehen zu lassen.

Mit Hilfe von Cobeiros vokaler Ausdruckskraft und seiner bewiesenen Bühnenpräsenz als Entertainer erleben die Zuhörer die Verbindung der Habanera aus der Oper Carmen mit Besame Mucho oder die rasante Abfolge von Kiss, I Will Survive und Amazing Grace. Wie gesagt: Grenzüberschreitung ist hier ausdrücklich erwünscht.

15. April 2009, 20 Uhr, Kieler Schloss

KN-Online