Kool Ade Acid Test verzauberten das Publikum im Nachtcafé

Soul trifft Funk, Jazz, Bluesrock und Surfpop – alle auf einmal. So klingt es, wenn das amerikanisch-deutsche Quintett Kool Ade Acid Test zu den Instrumenten greift. Im Nachtcafé brachten die Musiker um Bassist Steven Gaeta das Publikum im Rahmen des Kieler Jazzherbstes in Schweiß. Es soll ein ganz spezielles Rezept sein, die Chicken Wings à la Gaeta. "Nur ich kenne das Geheimnis" tönt der Sänger und Bassist von Kool Ade Acid Test, heizt noch während des Konzerts im Nachtcafé den vor der Bühne postierten Ofen vor. Noch lieber als Hühnchen testen würde der Zuhörer jedoch hinter das Geheimnis der Band kommen, die bis jetzt nicht weniger als das Highlight des Kieler Konzertjahres hingelegt hat.

Das Quintett, komplett in Oldschool-Anzüge und weit offene Hemden gehüllt, spielte absolut präzise und mit Groove in derart viele Stilrichtungen, bot aber gleichzeitig auch so herrlich schräge Typen, dass es ein Genuss für Auge und Ohr wurde. Als Opener gab's eine Gute-Nacht-Geschichte über einen kleinen Hasen, dann das Kontrastprogramm mit Lesbian Girls vom aktuellen Album Geraldine Penny. Später schilderte Gaeta die Erfahrung mit einem Transvestiten (Ms. Peaches) und bestand darauf, dass alles genauso passiert sei. Für das Phrasenschwein: Selten so gelacht! Die angenehme Dosis Durchgeknalltheit führte im Zusammenschluss mit Spielfreude und technischer Perfektion zu immer neuen Glanzlichtern.

Trockener Funk bei Skinny Man dank des synchron vorgetragenen Themas von Gitarre (großartig: Jan Terstegen), Bass und Saxofon (Steve Moss); als dezenter Jazzer gibt sich Birdy in a papersack mit dem Vibrafon von Claus Kiesselbach. Und Thomas Böltker zelebriert am Schlagzeug wilde Rhythmusjagden bei Smud Gibley, dem Update vom Pulp Fiction-Soundtrack.

Moss, der Dienstälteste in der kauzigen Truppe, mimte die Angst vor dem Frogman und merkte erst zur Hälfte eines Songs, dass er eine Mundharmonika in der falschen Tonart benutzt hatte. Dem euphorisierten Publikum war's schnuppe, das ignorierte sogar den Duft des Mitternachtsimbiss, der schließlich durch das eingeräucherte Nachtcafé strömte. Von rumpelndem Mississippi-Blues über Steely Dan-Referenzen bis zu spanisch-kubanischer Leichtigkeit bei Fried Neckbones schien alles möglich. Die Zugabe Sweet Potato Pie (Auf Lee Morgans Cornbread basierend) intonierten Kool Ade Acid Test dann schon in Bodenlage – und triumphierten auf ganzer Linie. Und übrigens waren auch die Chicken Wings ganz ausgezeichnet! Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 05.11.2003