Szenesplitter: "La Noche del Reggaeton" und Stingray 45 Disco


Man könnte fast den Eindruck bekommen, als befände man sich beim Dreh eines neuen Musikvideos. Tanzende Twens zu pumpenden Beats, stickige Luft und die sparsame Bekleidung vieler junger Damen, die oft mehr enthüllt, als sie verbirgt. Im Vinyl ist La Noche del Reggaeton im vollen Gange. Die Organisatoren Johann Schwarz und Denis Arrufat haben die erste Reggaeton-Fiesta im Norden auf die Beine gestellt, um den heißen Mix aus der Karibik auch hier populär zu machen: Reggae, jamaikanischer Dancehall, US-HipHop und lateinamerikanische Stile wie Salsa oder Merengue treffen dabei ungebremst aufeinander. Viel Percussion und die Fokussierung auf den Rhythmus lassen die Hüften wackeln, Arme und Hände wie beim Flamenco grazil in der Luft schlängeln.

Denis Maurizio aus Stuttgart und der lokale DJ Enrique liefern den Soundtrack für die Latino-Partynacht, während ein Beamer Mitschnitte eines Festivals mit den Stars der Szene über die Tanzfläche projiziert: Don Omar, Sir Speedy, Nicky Jam oder Daddy Yankee. Drei Songs muss man warten, um dessen Genre prägenden Hit Gasolina serviert zu bekommen. Der aufpeitschende Sound wirkt teilweise aggressiv durch den spanischen Sprechgesang und ist purer Eklektizismus, wenn in einem Stück Songschnipsel von Stevie Wonder und Snap! verwurstet werden. Ein neuer Trend? Zumindest mit pop(p)iger Attitüde...nicht nur, weil bei einem Lied laszives Gestöhne untergemischt wird.

In der Schaubude geht alles ein wenig entspannter und entspannender zur Sache. Das Kieler Punchline Sound System konnte mit Stingray 45 Disco ein gleichgesinntes Quartett als Gäste gewinnen: Die Wahl-Kölner bestehen seit 1998 aus den Selectors Benedikt, Pascal, Tobi sowie MC Otach und standen beim diesjährigen Summerjam-Festival auf der Bühne. Ein eingespieltes Team, das heute ohne Benedikt, aber dafür mit umso mehr 7-Inch-Vinyl und Dubplates anreiste, um ihre Auffassung von Reggae und Dancehall möglichst vielfältig zu streuen. Auch hier dauert es die ominösen drei Songs, bis Gentleman's Superior die Richtung des Abends vorgibt. Die Geschwindigkeit der Tracks bleibt moderat, Otach ergänzt am Mikrofon mit den typischen Toastings und selig grinsende Tänzer geben sich dem friedlichen Treiben hin. Für zwei Uhr könnte mehr los sein, aber klar, die Vibrations stimmen. hd


nordClick/Kieler Nachrichten vom 16.08.2005 01:00