LandesJugendJazzOrchester übt für das Konzert am Sonnabend im KulturForum

Proben unter Zeitdruck

Rendsburg - "Teste mal die Lautstärke. Nicht, dass es gleich Überraschungen gibt, wenn du loslegst." Jens Köhler, Leiter des LandesJugendJazzOrchesters, scheint vor dem Saxofon-Solo etwas mulmig zumute. Denn das Akai EWI4000s ist kein gewöhnliches Saxofon, sondern ein futuristisch anmutender, elektronisch verstärkter Blaswandler. Bob Mintzers "Slo-Funk" liegt auf den Notenständern, wird angezählt. Knackiger BigBand-Sound schallt durch den großen Konferenzraum im Rendsburger nordkolleg. Auch das Saxofon-Solo verläuft in geregelten Bahnen, wenngleich es den Fusion-Jazz-Anteil deutlich erhöht.

17 junge Musiker - keiner von ihnen älter als 25 - drängeln sich im Oval des improvisierten Proberaums. Überall liegen Jacken, Instrumentenkoffer, Notenstapel. Die Zeit eilt, denn das Programm für das Konzert im Kieler KulturForum muss stehen, und zwei Vorspiele soll es an diesem grauen Sonntagvormittag auch noch geben. Bei "Corazon" (Carole King) zeigt sich Köhler außerordentlich zufrieden. In der Mitte positioniert, lebt er die Arrangements aus, wendet sich den einzelnen Instrumentengruppen mit geballten Fäusten und Fingerschnipsen zu. "Hey, wow!" entfährt es ihn angesichts des synkopischen Feuerwerks seiner Eleven. Nur ein kleiner Tipp für die Schlagzeugerin, einziges weibliches Mitglied: "Mach bap-bap-bap-da-dat!" Und für den Rest: "Der Klimax-Teil sollte erkennbar sein, also Takt 60 bis 77 als forte". Kein Problem für das LJJO-Ensemble.

In den Pausen finden Pianist, Bassist und Drummer keine Ruhe. Nur vom Gehör jammen sie Michael Jacksons "Billie Jean", aber Köhler unterbricht jäh: "Das nervt!" Es muss weitergehen. Wichtige Themen sind die Soloabsprachen bei den Bläsern im "Haitian Fight Song" (Charles Mingus) oder die Wohltemperiertheit bei einem Saxofon in "Written In The Stars" ("Das war als Kadenz schon mal wesentlich klarer"). Fürs Konzert im KulturForum verrät Köhler: "Da überlisten wir das Publikum, fangen seicht an und schlagen dann umso härter zu!" Mit dem seichten Beginn meint er "The Song Goes On Forever", komponiert und arrangiert von ihm höchstpersönlich.

Dann die Vorspiele zweier potenzieller Kandidaten. Ein dritter für den Gitarren-Posten muss krankheitsbedingt passen, aber der 19-jährige Gitarrist Rafael Krohn aus Lübeck und Pianist Nicolas Turley (13, Itzehoe) dürfen ihre Klasse beweisen. Krohn steht die Aufregung ins Gesicht geschrieben. Sein Cole-Porter-Swing "What Is This Thing Called Love", unterstützt von Klavier, Bass und Drums, klingt aber tadellos. Die Bläser in der Ecke nicken anerkennend. Auch der Improvisationsteil gelingt. "Ja, war toll!", lobt Köhler. Nach einem Blues in F und zwei Stücken vom Blatt gibt es keine Zweifel, auch wenn die anwesende Mutter noch bangt.

Der junge Nicolas Turley hat "Dolphin Dance" von Herbie Hancock vorbereitet. Bei "Corazon" gibt es dann leichte Korrekturen, aber noch sind alle entspannt. Vielsagender Kommentar vom Leiter: "So weit, so gut." Köhler und Arvid Maltzahn vom Landesmusikrat S-H beraten sich kurz, bitten dann die Prüflinge zu sich. Ergebnis: Das LJJO kann zwei neue Mitglieder begrüßen. "Wie fühlt es sich jetzt an?" Rafael Krohn atmet durch. "Besser als vorher!"

Sonnabend, 15. November, 20 Uhr, KulturForum (Andreas-Gayk-Str. 31)