Level 42 auf der „Unser Norden“-Bühne

Heißer Kieler-Woche-Auftakt


Kiel - Mark King, seines Zeichens Sänger und Bass-König von Level 42, ahnt schon, warum die Leute am Freitagabend an die südliche Hörnspitze geströmt sind, um das erste Konzert auf der „Unser-Norden“-Bühne 2009 zu sehen: „Wir spielen einige unserer alten Songs aus den 1980ern“. Eine gefeierte Rückschau für die erste Generation Golf und ein würdiger Kieler-Woche-Auftakt.

Der Veranstalter des Abends, Radio Nora, verspricht in seinem Slogan „Hits & Oldies“. Eine Vielzahl der Songs von Level 42 gehört zur ersten Kategorie, noch nicht zur zweiten. Immerhin sind die Briten mit Unterbrechungen seit 30 Jahren aktiv, aber Oldies? Nein, das wäre unangemessen.

Der Moderator erinnert im Vorfeld daran, wie er und andere zu diesem Soundtrack im Party-Keller gefummelt haben. Level 42 zählen zur ersten Generation von New-Wave-Funk-Bands, die ihre Songs dank hochmelodischer Strukturen zum Mitsingen aufmotzten. Eine Kreuzung aus Simply Red, Nik Kershaw und Earth, Wind & Fire, die auch 2009 noch Wirkung zeigt. Selbst das typische Kieler-Woche-Wetter kann den Nostalgikern nicht die Stimmung vermiesen: Wind, Wolken und Sonne unterbrochen durch einen kleinen Regenschauer, der sofort ein Meer aus Regenschirmen erzeugt. Okay, es waren am Ende doch drei oder vier Schauer, aber zumindest entschädigte die Pudelnassen ein Regenbogen über dem Ostufer.

Mark King dankt für das Durchhaltevermögen, die Zuschauer feiern seinen dynamischen Slap-Bass. King ist der Slap-König, eine pumpende Maschine als maßgeblicher Antrieb der Songs. Heutzutage eher ein verpöntes Stilmittel, ist der Slap-Bass bei Level 42 prominentes Aushängeschild und Markenzeichen. Den Daumen hat er zur eigenen Sicherheit mit einem Slap-Ring geschützt - es ist ein Spektakel!

Das Programm speist sich aus dem gesamten Repertoire der Briten: Bei Turn It On vom Debütalbum aus dem Jahre 1981 kommt das Bee-Gees-Falsett von Gitarrist und Sänger Nathan King voll zur Geltung, bei dem synkopischen Thema von Running In The Family jubelt die Menge auf. Schlagzeuger Gary Husband werkelt recht unauffällig, dagegen lässt sich Sean Freeman am Saxofon geradezu gehen, krümmt sich unter den geschrienen Skalen. Auch Keyboarder Mike Lindup hat an Rhodes und Synthie beide Hände voll zu tun, wenn die Studioversionen von handlicher Radiolänge in ausgewachsene Live-Improvisationen ausgedehnt werden, wie es die Zugabe "Chinese Ways" zelebriert. Hier dominiert noch die Urkraft der Band, jener kantige Mix aus Funk und Jazz, der in Laufe der Jahre einer etwas beliebigen Pop-Attitüde gewichen ist. Da ist die Versuchung zu groß gewesen, mit astreinen Popsongs die Zahl der Hörer zu vervielfachen. Doch es ist Level 42 hoch anzurechnen, dass sie nach zwölfjähriger Funkstille nahezu in Original-Besetzung wieder Studioalben produziert.

Mit "Something About You", "Hot Water" und dem Überhit "Lessons In Love" ist genug Stoff dabei, um glückliche Gesichter zu hinterlassen.

KN-Online