Liederjan - Auf ein nächstes Vierteljahrhundert

Die in oranges Licht getauchte Bühne gleicht durch ein wahres Sammelsurium an verschiedensten Instrumenten einer gutsortierten Musikalienhandlung. Doch nur drei Herren betreten selbige, um einen Rückblick über fast 26 Jahre Bandgeschichte zu feiern. In dieser Zeit sind wohl unzählige Lieder in das Repertoire von Liederjan eingegangen, die den musikalischen Werdegang von Jörg Ermisch, Anselm Noffke und Wolfgang "Hein" Rieck abwechslungsreich dokumentieren.

Entsprechend zahlreich sind auch die Anekdoten zu den jeweiligen Stationen im Musikerleben, die mit trockenem Humor dem Publikum in der Räucherei zwischen den Stücken geschildert werden - schallendes Gelächter undSzenenapplaus lassen nicht lange auf sich warten. Leider wirken die Ansagen teilweise zu einstudiert, um ihre frische Spontanität zu erhalten. Das Trio aus drei norddeutschen Bundesländern, seit 1993 durch Neuzugang Wolfgang Rieck in dieser Besetzung, greift in seinem Jubiläumsprogramm tief in die Kiste des reichen Fundus: mal ein irisches Volkslied als Reminiszenz an den Beginn vor einem Vierteljahrhundert, mal ein Liebeslied mit Tuba ("Ein kleiner Rabe ist mir neulich zugeflogen") oder eine Moritat des Altbundeskanzlers (Das Ei des Kohlumbus).

Altbekanntes trifft auf neue Veröffentlichungen, Klagelieder auf Fröhlichkeit derber Couleur. Immer wieder wechselt die Instrumentierung, da alle drei Musiker sich mit unterschiedlichen Gerätschaften einbringen können. So ertönen mitunter seltene Klänge eines mittelalterlichen Krummhorns, einer singenden Säge oder von Kuhglocken (Patrone Bavariae), die den ohnehin vielfältigen Sound noch bereichern. Doch nicht nur instrumental, sondern besonders a cappella überzeugen die Jubilare mit dreistimmig perfektem Wohlklang (Das Wirtschaftswunder, Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt). Der satirische Charakter der selbstkomponierten Liedertexte durchzieht das gesamte Programm, in dem mit ironischem Spott und treffendem Wortwitz in Richtung Politik oder Fehltritten unserer Gesellschaft geschossen wird. Nach drei Zugaben entlässt das Publikum Liederjan. Eigentlich sollten die noch 25 Jahre so weitermachen. Henrik Drüner