Glyn „Bigga“ Bush feat. MC Farda P. im Luna

Airport Luna: Einchecken zu einer musikalischen Reise der besonderen Art. Statt von A nach B ging es mit Flugkapitän Glyn „Bigga“ Bush und seinem Assistenten MC Farda P. einmal rund um den Globus, mit zahlreichen Zwischenstopps: erst von Kingston/Jamaica über Havanna/Kuba in die New Yorker Bronx und schließlich über Brixton/London nach Memphis. Viele Fluggäste kamen verspätet zum Schalter, doch wie so oft waren die Reihen im Flieger letztendlich noch gut gefüllt.

Vor dem endgültigen Abflug faszinierten eher die tanzenden Ameisen, die Videokünstler Michael Carstens als Optische Bank an die Wand projizierte. Verfremdete Blitzeinschläge, Planetenansichten und Vulkanausbrüche dienten als bewusstseinserweiternde Augenreize zum DJ-Set von !Pez und Bright, die neben „Eple“ von Röyksopp viel Hochwertiges auf den Plattenteller legten. Einige Tänzer kapitulierten bereits vor den Strapazen der Kieler Woche und ihrem Promillewert, torkelten fremd gesteuert über die Tanzfläche. Gegen zwei Uhr erstes Aufheulen der Turbinen: „Bigga“ Bush enterte das Cockpit. Der Brite, einst Hälfte der legendären Rockers Hi-Fi, hat mit Lightning Head ein neues Alter Ego gefunden. Für ihn umfasst es die Idee des Inspiriertseins, wie ein großer Strahl Licht vom Himmel, der alles illuminiert.

Der bullige MC Farda P., der schon dem aktuellen Album “Studio Don” bei einem Song seine Stimme lieh, begrüßte am Mikro die erwartungsvolle Menge und gestaltete in der Folgezeit einen herrlichen Freestyle-Mix - immer authentisch durch das shaggy-esque Jamaica-Englisch und die zugemischten Hall- und Delay-Effekte. Sein DJ tanzte derweil hinterm Pult ausgelassen zu den abwechslungsreichen Tracks und ließ grollende Bässe durch Magen und Bein vibrieren. „Jogi“ von Panjabi MC setzte okzidentale Akzente, doch auch Drum & Bass, Western-Breakbeats und Latino-Feeling waren Teil des geschmackvollen Sets. Die Leinwand lieferte dazu visuelle Tanzsequenzen, mal in Zeitlupe, mal in Zeitraffer, aber immer total global. Auf der Tanzfläche das gleiche Bild: Die realen Tänzer feierten mit immer größerer Begeisterung die Songs ab, gingen sofort auf Farda P.’s Andeutungen vom „Hotstepper“-Hit ein. Mit ausreichend Kerosin im Tank war an ein vorzeitiges Ende des Kunstfluges nicht zu denken. Henrik Drüner