Willkommenes Zwischenhoch - The Liquid Sunshine Band wärmte das Volk im Luna


Was macht ein Kieler Surfer im Winter, wenn kein Geld für Hawaii oder Südafrika aufzutreiben ist? Er träumt vom nächsten Sommer, den brechenden Wellen und gibt sich den täglichen Kick mit Videos seiner Idole. Oder er schnappt sich ein Instrument, spielt in einer Band und feiert auf Konzerten mit Gleichgesinnten die gemeinsame Leidenschaft. The Liquid Sunshine Band machte im dicht gedrängten Luna ihrem Namen alle Ehre: Während draußen die Welt im gefrorenen Nass zu versinken scheint, verwandelte sich der Schnee drinnen zu flüssigem Sonnenschein.
Eingerahmt in ein stimmiges Set von DJ Doctore de Dirt, interpretierten die acht Musiker bekanntes, aber nicht abgenutztes Songmaterial aus den 70ern und 80ern mit teilweise eigenen Arrangements. Grundvoraussetzung für die Mischung aus Jazz, Funk und Latin: immer positiv, immer eingängig, immer entspannt. Im Rücken der Band flimmerte ein Surfvideo, doch wer bediente in der engen Grotte die Instrumente? Ohne Bühne ragte hier und da ein Kopf von einem der Akteure hervor – das war's auch schon. Stell dir vor, es ist ein Konzert, und nur die wenigsten im Publikum können etwas sehen. Zumindest erntete die Frage "Wie ist der Sound da draußen?" Jubel.

Über dem dezenten, aber knackigen Groove der Rhythmusfraktion mit Geburtstagskind Bernd (Percussion), überzeugte vor allem Weert Kramer am Saxofon. Mit einem angenehmen Ton und der nötigen Balance zwischen tragender Melodie und solistischer Improvisation wurden die größtenteils instrumentalen Songs eindeutig aufgewertet, und Klassiker wie Take Five im Jazzkantine-Stil oder Ain't No Sunshine von Bill Withers gerne gehört. Auch Sängerin Sonja, die von ihren Mitstreitern ans Mikro gerufen wurde, gefiel beim Mark Reilly-Hit Half A Minute oder What A Difference A Day Makes. Sie hätte mehr Einsätze verdient gehabt – ebenso ein Podest.

Es fehlte die visuelle Komponente und eine schärfere Trennung zwischen Band und Publikum, so dass das Konzert eher zu einer netten Party-Hintergrund-Beschallung verkam. Vielleicht hatte die Liquid Sunshine Band auch keinen höheren Anspruch, als mit allen Anwesenden ein schöne Zeit zu verbringen. Dann wäre ihr Auftrag perfekt erfüllt.

Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 06.01.2003