Lisa Bassenge und Band kommen mit aktuellem Live-Album ins KulturForum

Austoben auf der Pop-Wiese

 

Kiel - Lisa Bassenge bleibt in Bewegung. Lange Zeit bot ihr die kleine Besetzung aus Bass, Klavier und Stimme die besten Voraussetzungen, die Rollen auseinanderzupflücken, die ihr das Repertoire aus Jazz, Pop und Rock'n'Roll bereitstellte. Doch ihr erstes Live-Album "Won't Be Home Tonight" (MinorMusic/Edel), das sie mit ihrer neu formierten Band aufgenommen hat, ist Zeugnis einer gewandelten Sängerin. Die 34-jährige Berlinerin nähert sich dem Rhythm & Blues der Neville Brothers, verpflanzt den harten Rock von AC/DC in einen Südstaaten-Juke-Joint und surft ohne Zögern auf den Schaumkronen eines Sugababes-Covers.


Dein letztes Konzert in Kiel liegt bereits vier Jahre zurück. Zu der Zeit spieltest du noch im Trio...

Bassenge: Zu dem Termin fällt mir noch etwas anderes ein. Ich hab damals bei Freunden von meiner Tante geschlafen, so Adlige, die auf einem richtigen Schloss bei Kiel wohnen. Paul (Kleber, Bassist) und ich sind mit, Andreas (Schmidt, Ex-Pianist) übernachtete im Hotel. Bei der Ankunft dachte ich noch: Oh, schönes Haus!' Dabei war es nur der Pferdestall, das Anwesen kam erst dahinter. Am nächsten Morgen bin ich dann mit der Schlossherrin ausgeritten und dermaßen vom Pferd gefallen, das war echt schlimm. Und ich musste an dem Tag noch nach Hannover. Solche Schmerzen!

Autsch! Aber zurück zur Besetzung: Inwiefern wirkt sich die Erweiterung zum Quintett mittlerweile aus?

Wir haben sehr lange als Trio gespielt. Für mich war es irgendwann wichtig, mein eigenes Ding zu machen. Andreas hatte bis dahin die musikalische Leitung inne, doch Paul und ich wollten uns emanzipieren. Nach zehn Jahren haben wir Revue passieren lassen und überlegt, was wir wollen und was nicht. Im Grunde Tabula rasa gemacht. Mit Schlagzeug (Reiner Winsch) und Gitarre (Kai Brückner) ist das Spektrum jetzt um zwei Instrumente erweitert, und das merkt man schon. Live klingen wir souliger und es geht trotzdem mehr ab.

Hat sich dadurch auch die Herangehensweise an die fremden Stücke verändert?

Nicht wirklich. Die Songauswahl übernehmen Paul und ich, die Arrangements erstellen wir im Team. Ich habe jedoch angefangen, eigene Stücke zu schreiben. Beim Songwriting zählt für mich nicht das Fundament des Gesangsstudiums und der Ausbildung (an der Berliner Hanns-Eisler-Musikhochschule, Anm.d.Verf.), sondern dass ich die Angst verliere zu komponieren. Wenn ich jetzt finde, dass es gut klingt, dann klingt es auch gut. Bei eigenen Songs entsteht automatisch ein authentischeres Gefühl. Man weiß halt, woher die Idee kommt.

Nutzt du die neuen Impulse auch für deine anderen Projekte?

Nylon liegt gerade auf Eis. Seit dem letzten Album gönnen wir uns eine Pause. Im Moment arbeite ich sehr viel mit Micatone. Wir sind auch gerade im Studio mit neuem Konzept, indem wir die elektronischen Elemente reduzieren. Aber der Sound vom Ende der Neunziger kommt jetzt ja wieder in Mode - gerade dann, wenn wir schon wieder weiter sind!?

Auffallend ist weiterhin die Vielfalt der Einflüsse...

Vielleicht hab' ich auch noch nicht die Linie gefunden. Aber es macht einfach Spaß, sich auf der Pop-Wiese auszutoben; sich etwas zu eigen zu machen und es so zu arrangieren, dass es ein neues Gesicht bekommt. Im Zusammenspiel ergeben sich ständig Gelegenheiten, die Musik in eine neue Richtung zu drücken und eine neue Form annehmen zu lassen. Eine Spannung zwischen Verfremdung und Wiedererkennung.

Zumindest möchtest du mit "Female Jazz Singers" nichts mehr zu tun haben, oder?

Stimmt, auf solchen Compilations bin ich massenhaft vertreten. Immer wenn es um die Attribute "jazzig", "weiblich" und "jung" geht, wird auf mich zurückgegriffen. Aber es ist doch auf der anderen Seite super, wenn ich oftmals die einzige deutsche Vertreterin bin. Ich bekomme dadurch auch Mails aus Uruguay oder Peru, weil diese Sampler um die Welt gehen und neue Leute auf mich aufmerksam werden.

Wie organisierst du als zweifache Mutter deinen Musiker-Alltag?

Mein erstes Kind hab ich immer mit auf Tour genommen, das zweite eher beim Vater gelassen. Da wird man lockerer. Aber es ist trotzdem schrecklich, während der ganzen Zeit ohne sie zu sein. Davon abgesehen bin ich mit dieser Band (noch Christoph Adams, Piano) gerne unterwegs. Geil eingespielt, alle total nett - auf der letzten Tour sind wir richtig gute Freunde geworden.

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