Ferris MC im AJZ Neumünster

Es war ruhig geworden um Ferris MC, nachdem er im letzten Jahr das Album „Fertich!“ unters Volk gebracht hatte. Keine Skandale oder Schlagzeilen vom „Reimemonster“, wie er in HipHop-Kreisen genannt wird. Doch jetzt steht eine neue Platte in den Startlöchern, und da heißt es Präsenz zeigen, Konzerte geben und das Gedächtnis der jungen Käuferschar auffrischen.

Die strömte am Nikolausabend auch wie bestellt ins AJZ in Neumünster, stand jedoch erst einmal in eisiger Kälte vor verschlossenen Türen. Ein Anblick, vergleichbar mit dem Schulausflug der Mittelstufenjahrgänge vor einem Museum, bloß aufgedrehter. Also noch Zeit, den Kumpels mit pubertärer Freude die neusten pixeligen Frauenkörper auf dem Handydisplay zu demonstrieren. Besser unkommentiert bleibt auch die Frage unter Freundinnen: „Is’ das gleich ’n Sitzkonzert?“

Als musikalische Aufwärmer setzten Vorzeichen ein deutliches Ausrufungszeichen. Die drei Jungs - zwei am Mikro, einer an den Turntables – machten ihre Sache richtig gut. Mit den textsicheren Freunden in den ersten Reihen und den üblichen HipHop-Gesten wirkte der Auftritt schon sehr souverän. „Das ist sein erster großer öffentlicher Auftritt“ plauderte der große Bruder von MC Stephan im Publikum, und da klang berechtigter Stolz mit. Als DJ Stylewarz wenig später die ersten Beats durch das prall gefüllte AJZ rollen ließ, wurde klar, warum alle DJ’s ihn als Tourbegleitung haben wollen: Stylewarz war eine große Nummer am Plattentisch, setzte feine Scratches und satte Akzente, ohne Ferris zu überlagern. Der begann mit „Wie ist mein Name?“ und Kapuze über dem Wuschelkopf.

Nicht nur seine Texte, sondern auch sein verlebtes Gesicht erzählte von schlechteren Zeiten und jeder Menge Drogen. „Ein Joint, ein guter Joint...“ stimmte der „XXL-Junkie“ an, erntete Gejohle und eine Sportzigarette. Der Wahlhamburger wollte nicht nett sein oder mit Sympathiewerten punkten. Lieber spielte er die Rolle des Knecht Ruprechts, der sich mit verbaler Rute durch die Songs wie „Im Zeichen des Freaks“ oder „Ferris macht blau“ pöbelt. Nach einer halben Stunde vollen Engagements einigten sich der MC und die begeisterten Fans auf eine Zugabe, und zogen dann jeweils anstandslos von dannen - ziemlich krass. Henrik Drüner