M.O. Zetti’s Jazz Affair auf der Fuego-Jazz&Blues-Bühne

 

Kiel – Pünktlich um 18 Uhr erklingen die ersten Takte von Bill Evans' „Here’s That Rainy Day“. Manfred 'Zaubi' Zaubitzer setzt gerade seine Posaune an, als sich die Himmelsschleusen mit einem Schlag öffnen. Ein im Grunde treffender Songtitel, doch kein Vergleich zu dem, was daraufhin an Sturmböen und Wassermassen über die südliche Hörnspitze ziehen sollte. Der Rezensent kann zumindest von sich sagen: Ich war dabei!

Nach einer halben Stunde ist der meteorologische Spuk vorbei und M.O. Zetti’s Jazz Affair können ihr Set auf der Fuego-Jazz&Blues-Bühne fortsetzen. Die Combo aus Lübeck, die neben Zaubitzer noch aus Wolfram Wollmer (Gitarre), Ingo Kröger (Bass) und Pianist Brix Lichtenberg besteht, präsentiert sein swingendes, blues-beseeltes und weit gefächertes Jazz-Repertoire.

Wie es zu dem unkonventionellen Namen kam? Posaunist Zaubitzer hatte sich in den 70er Jahren für Plattenaufnahmen ein Pseudonym zugelegt, das aus den Initialen 'M' und 'Z' gebildet wurde: 'Emmo Zetti'. Daraus formte er für die Band schließlich M.O. Zetti. „Zaubi“ gehört zu den Jazz-Urgesteinen in Schleswig-Holstein, etliche Besetzungen ziert er mit seinem Namen.

Und es ist vor allem das Posaunen-Timbre, das dem Bandsound eine angenehme Entspanntheit verschafft. Ein weicher, üppiger Klang in tiefer Lage. Bezeichnend, dass ein Bühnenhelfer rhythmisch die Hüften wiegt, während er den Bühnenboden von letzten Pfützen befreit. Das Motto „Gentle, sweet & tender“ steht über dem Programm, indem traditioneller Jazz in sanften Tönen dominiert. Ohne das Schlagzeug als Taktgeber wird der Bass zum swingenden Metronom, exemplarisch bei „Love For Sale“ aus Cole Porters Musical „The New Yorkers“ von 1930. Gitarre und Bass liefern die stoischen Viertel, Lichtenberg entlockt dem Keyboard melodische Soli, überstrahlt von der Posaune.

Die Bühnenperformance gibt wenig Spektakuläres her: drei Musiker blicken konzentriert in die Noten, ein entrückter 'Zaubi' in Improvisationsparallelwelten. An manchen Stellen hakt das passgenaue Zusammenspiel, aber der Bandleader bewahrt seinen Humor, indem er Jerome Kerns „The Way You Look Tonight” in der Ansage mit „Wie siehst du heute Abend schon wieder aus!?” übersetzt. Und spontan zeigen sich die Musiker auch: Esther aus Bremen, die demnächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika absolviert, sammelt „Summertime“ singend Spenden für einen gemeinnützigen Verein. Gut gesungen, solide begleitet.

Nach der Pause lärmen bereits Nazareth aus der Nachbarschaft und erzeugen einen kakophonischen Mischklang vor der Jazz&Blues-Bühne. Gelinde gesagt: 'Zaubi' is not amused! Doch das Quartett zieht sein Programm durch, präpariert Eric Claptons „Tears In Heaven“, erneut Cole Porter („Wunderbar”) oder „When A Man Loves A Woman“ von Percy Sledge mit der charakteristischen Jazz-Affair-Relaxtheit. Ein Auftritt unter teilweise unglücklichen Begleitumständen, der jedoch deutlich macht, warum 'Emmo Zetti' bereits seit dem Ende der 1950er die hiesige Jazz-Szene prägt.