Mad Sin in der Pumpe - Auf Krawall gebürstet

Kiel - Köfte Devill ist eine Erscheinung, eine Sehenswürdigkeit. Der „Meat Loaf des Psychobilly“. Mit der Kraft einer Naturgewalt fegt der massige Mad-Sin-Sänger über die Bühne der gut gefüllten Pumpe. Selbst nach über 20 Jahren Bandgeschichte kosten die Berliner Psychobillys ihr unbändiges Höchstgeschwindigkeits-Programm in vollen Zügen aus.

Man schrieb das Jahr 1987, als Köfte von der Schule flog, keine konkreten Zukunftspläne geschmiedet hatte, schließlich zum Mikro griff und gemeinsam mit Gitarrist und Bassist Mad Sin gründete, um von der Auftrittsgage als Straßen- und Kneipenmusiker seinen täglichen Alkoholbedarf zu decken. Das Repertoire: Rockabilly in doppeltem Tempo, vermischt mit einer ordentlichen Portion Punkrock.

Der Support an diesem Abend, Tom Toxic und die Holstein Rockets, spielt die etwas gemäßigtere Form des Rock'n'Roll. Das Kieler Quartett beweist Mut mit seinen deutschen Texten, vorgetragen vom agilen Bandleader Tom Toxic. Für ihn sei das Leben ein Glücksspiel, so zumindest der Titel eines Songs. An seiner Seite: der hünenhafte Kontrabassist Harley Fischer, Gitarrist Danny Danger und Steh-Schlagzeugerin Sweet BabyDoll in Latzhose und Cowboyhut, die „Christina Ricci des Nordens”, wie es ein Zuschauer als Kompliment formuliert. Mit Referenzen an Johnny Cash und einer Neuinterpretation von Rammsteins Engel nutzen die Holsteinraketen ihren Heimvorteil, inklusive Zugaben.

Bei Mad Sin wirkt alles eine Spur schneller, härter, präziser. Andy Laaf an den Drums verrichtet zweistündige Schwerstarbeit, die Gitarristen Stein Dr. Solido und Mad Pete1 zerschneiden die dicke Saalluft in Akkordstücke, während Valle den wie eine Bordelltür leuchtenden Kontrabass beklöppelt. Köfte, halb Rocker, halb (S)Tier, mit dem entsprechenden Nacken, dem Nasenring und den zahllosen Tattoos, ringt schon bald nach Luft, rotzt große Spuckefladen in alle Richtungen und schleudert den Schellenkranz verächtlich hinter sich.

Seine Stimme klingt nicht filigran, aber durchsetzungsfähig. Eine beliebte Position: auf Knien hockend, wo er auf Augenhöhe mit den Fans die Texte bellt. Die ersten Reihen sind ohnehin positiv auf Krawall gebürstet. Pogo, Bierdusche, Pyro-Show. "Sindicate Deluxe" dient als Gruß an die ehemaligen Tour-Kollegen von Smoke Blow, die im Publikum stehen und staunen. Alles andere als ein Schlaflied ist "Lullaby", eher die Vertonung des euphorischen Zustandes bei mehrtätigem Schlafmangel. Bei "Communication Breakdown" von der aktuellen CD "20 Years In Sin Sin" zeigen die Berliner, warum sie Ende der Neunziger sogar zum Major-Label Polydor kamen – auch wenn beide Seiten bald wieder getrennte Wege gingen, nachdem die Manager bemerkten, dass Mad Sin irgendwie doch nicht zum restlichen Mainstream-Raster passen.
Im Stile der Stray Cats zelebrieren sie Songs von 1987 in Triobesetzung, bevor Backgroundsänger Hellvis "TCS" performen darf. Das Publikum taumelt im Rausch des Tempos.

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