Philipp Maiburg vs. Kabuki in der Pumpe

 

Totgesagte leben bekanntlich länger. Die Stilrichtung des Drum ´n Bass hat ihre heiße Phase zwar seit einigen Jahren hinter sich, ist jedoch immer noch fester Bestandteil der Clubkultur. Zumal gerade die deutschen Labels wie Precision oder Combination Records belegen, dass sie mit ihren aktuellen Veröffentlichungen weiterhin am Puls der Zeit ticken. Philipp Maiburg – als eine Hälfte der genreprägenden Phoneheads – verwandelte mit Kabuki auf der „Knowledge-Tour“ die Pumpe in ein Meer der Sinne.

Die mittlerweile bewährte Kombination aus VJ und DJ verstärkte im Wechselspiel die Wirkung von Bildern und Tönen, die auf den Betrachter als Informationsreiz einprasselten. Vermehrt junges Partyvolk wurde von dieser Form des Clubbing angezogen, das mit den Music-Clips von MTV aufgewachsen ist und keine Scheu vor knarzenden Bässen und dem Tempo des Drum ´n Bass zeigte: Bewegungsfreude war Trumpf auf der sich füllenden Tanzfläche. Zu den kalbenden Gletschern, sphärischen Farbcollagen und geometrischen Animationen, die von der Optischen Bank passend zur Musik auf die große Leinwand hinter den Turntables eingespielt wurden, durfte jeder seinen eigenen Film fahren und in Paralleluniversen abschweifen.

Nach dem Set von Philipp Maiburg mit hauptsächlich instrumentalen Tracks, brachte Kabuki in sein Programm des öfteren weibliche Vocals ein, wodurch im Wirbel von Trommeln und Bässen erfrischend organische Elemente auftauchten. Unterstützt wurden die beiden von MC Glacius am Mikrophon. Dieser schleuderte unaufhaltsam seine synkopierten Wortsalven in den Raum, scheinbar ohne jegliche Melodie und Textverständnis. Entscheidend war jedoch vielmehr der Soundfluss im Zusammenspiel mit den Beats und Breaks des DJ´s, was durchaus gelang. Pausen im Bassgewitter gab es nur kurzzeitig in den Übergängen zwischen den Tracks, denn schon nach einigen Takten setzte der wiederkehrende und treibende Rhythmus erneut ein, der die Tanzenden zappeln ließ. Henrik Drüner