The White Lines und Maniacs in der Hansastraße - Rock´n Roll is back in town


Die etwas überstrapazierte Vorstellung einer Zeitreise muss einmal mehr herhalten, um zu veranschaulichen, wie die Hansastraße 48 beim Doppelkonzert der White Lines und Maniacs rund vier Jahrzehnte in die Vergangenheit katapultiert wurde. Die Damen trugen Petticoat, die Herren Pomade in der akkurat gekämmten Haartolle. Den Part des special guest übernahm Veranstalterin Verena: Begleitet von einer Snare-Drum, sang sie mit Gitarre und Mundharmonika vom Saufen, Familienfehden und anderen (Un)Tiefen des Lebens, wobei die eingedeutschten Texte von Johnny Cash oder Kris Kristofferson dem Auftritt einen unbekümmerten Charme verliehen. Die Fraktion der Haartollen wollte jedoch mehr Aktion und skandierte im Anschluss: "Jetzt fängt´s an".

Und dann sorgten die White Lines mit ihrem schwungvollen Rock´n Roll dafür, dass der ganze Raum zum Tanzen genutzt wurde. Das Quartett aus Neumünster – schon seit zehn Jahren aktiv – mischte gekonnt eigenes Songmaterial mit Coverstücken von Buddy Holly, Carl Perkins, Eddie Cochran oder Jerry Lee Lewis. Besonders Sänger und Kontrabassist Bernd Tesch überzeugte mit authentischem Gesang und treibendem Bass, der durch den harten Anschlag wie eine Schreibmaschine klang. Zugaben erwünscht. Im Publikum markierten derweil die jungen Wilden den rebellischen Rüpel, zerrissen sich gegenseitig die Unterhemden. Einigermaßen befremdlich wirkte diese Form von ritualisiertem Hahnenkampf, genauso wie der Name des Holtenauer Rockabilly-Clubs "Amazing Camelpoppers" auf den Vereinskutten.

Bei den Maniacs ging es dann noch eine Spur rauher zu, sowohl auf als vor der Bühne. Der Rocka-/Psychobilly wurde stilvoll vorgetragen, hatte jedoch nicht die Eingängigkeit der Vorgänger, und bisweilen holperte das Zusammenspiel. Nach vier Stunden ging es zurück in die Jetztzeit: Some people like to rock, some people like to roll. Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 29.10.2001