Drei Fragen an...Marque

Marque kennt nach zehn Jahren alle Höhen und Tiefen des Musikbusiness: „Fonkononia“, das Zweitwerk von 1997, floppte auf ganzer Linie. Die Folge waren ein Labelwechsel sowie das Ablegen des Images als 'deutscher Prince'. Dagegen verkaufte sich die letzte Platte „Freedomland“ nicht nur dank des Hits „One to make her happy“ umso besser. Der 29jährige Österreicher lebt in Stuttgart und heißt mit bürgerlichem Namen Marcus Nigsch – Marque ist die phonologische Kombination seines Spitznamens Marc mit dem französischen 'musique'. Im Moment befindet er sich auf Promotiontour durch Deutschland, um einige Konzerte zu geben und mit der neuen Single „Wonderman“ das Gedächtnis der Hörer wieder aufzufrischen. Das nachfolgende Album „Pirate Of My Soul“ wird im Spätherbst erscheinen.

Bist du der „Wonderman“?
Nein. Es geht darum, dass jeder der Wonderman sein kann. Oftmals verfällt das weibliche Geschlecht in Depressionen, wenn sie VIVA gucken, weil sie in den Videoclips nur die schönsten Frauen vorgeführt bekommen. Auch auf Titelseiten und in der Werbung werden nicht bloß Models ausgewählt, sondern diese nachträglich noch am Computer bearbeitet, Beine verlängert und Hautunebenheiten bereinigt. Diese Art von Perfektion gibt es nicht! Die Medien versuchen uns zu sagen, wie unserer Traumtypen auszusehen haben: Waschbrettbauch, kein Gramm Fett, Mindestbrustumfang. Mit „Wonderman“ möchte ich diese Form der Manipulation auf die Schippe nehmen und klarmachen, dass jeder – egal ob groß oder klein, dick oder dünn – ein wunderschöner Mensch sein kann. Die ironische Art wird auch durch die 60ties-Snarebeat-Sounds und die sogenannten Motown-Strings erzeugt. Die lassen den Song trotz des modernen Arrangements extra alt erscheinen.

Du dankst im Booklet von „Fonkononia“ deiner Mutter für ihre Geduld und Nachsicht. Hatte sie viel zu ertragen?
Dadurch, dass ich meinen Vater nie kennengelernt habe und meine berufstätige Mutter somit alleinerziehend war, wuchs ich bei Nachbarn auf. Mit zehn Jahren kam ich in ein katholisches Internat. Eine harte Zeit, in der ich in eine schwere Glaubenskrise geriet. Vor allem wegen des Drucks, den Menschen im Namen Gottes auf andere ausüben, aber auch durch die fragwürdige Auslegung der Bibel. Allein das Musikzimmer half mir, meinen Frieden zu finden. Dort habe ich mir die verschiedenen Instrumente beigebracht. Nach dreieinhalb Jahren wurde ich wegen verschiedener Sachen rausgeschmissen – und war trotzdem glücklich, endlich von dort weg zu können. Ich bin sehr gläubig und habe mich auch viel mit dem Buddhismus und anderen Religionen beschäftigt. Ohne Glauben könnte ich weder leben noch einen einzigen Ton singen oder Song schreiben. Dennoch glaube ich nicht an die Kirche, sondern an Gott. Institutionen wie die Beichte sind keine Lösung: Die Menschen müssen mit sich selber ins Reine kommen – da hilft keine Lossprechung eines anderen. Jeder sollte sich Gedanken über seinen Glauben machen und es nicht zu leicht mit ihm nehmen.

Befriedigt dich als Multiinstrumentalist das Komponieren von radiotauglichen Liedern?
Ich bin Songwriter. Wenn die Songs dann in den Charts landen – okay! Ich muss und will keinen Independent verkörpern. Dennoch bedeuten die Charts für mich nichts, denn es sind nicht immer die qualitativ besten Songs, die dort stehen. [Ach! Anm.d.Verf.] Aber ich kann versuchen, möglichst gute Popsongs zu schreiben. Als Kind der 80er glaube ich an Wham, Duran Duran oder Culture Club. Auf der „Freedomland“ habe ich auch viel mit Clubsounds experimentiert und Drum`n Bass-Statements abgegeben. Aber ich bin mehr als einer, der nur Platten auflegt. Kein cooler Typ, der an den Turntables meint, die Musik erfunden zu haben, aber eigentlich kann er gar nichts spielen. Ich experimentiere mit den Stilen und beobachte, wie sich die Sounds entwickeln. Letztendlich bin ich kein Komponist, der seine Songs auf simplen Dreiklängen aufbaut.

Interview: Henrik Drüner