Martina Topley Bird

 

Wie unbefriedigend muss es für eine Künstlerin oder einen Künstler sein, beinahe ausschließlich im Zusammenhang mit einem weiteren Namen in Verbindung gebracht zu werden? Martina Topley Bird, die als Ex-Lebensgefährtin von Tricky dessen erste drei Soloalben mit ihrer Stimme bereicherte, erging es so.

„Meine Familie hat mich nie mit traurigen Augen und depressiven Texten assoziiert. Trotzdem musste ich sie eine Zeit lang immer beschwichtigen, dass es mir gut geht.“ Spätestens mit der hervorragenden Platte „The Blue God“ (PIAS/Rough Trade) sollte die Londonerin jetzt der Sprung aus dem Schatten als Trickys Muse gelungen sein, geradewegs in Richtung einer gestärkten Identität.

Selbst die Klangfarbe ihrer Stimme unterscheidet sich im aktuellen Kontext zu der von „Maxinquaye“ im Jahre 1995. Statt des lasziven Gemurmels transportieren die Texte nun wesentlich mehr Soul, Klarheit und Variationsvermögen. Von diesem Timbre profitierten bereits namhafte Kollegen wie Gorillaz, Primus, Mark Lanegan, Jon Spencer Blues Explosion, Diplo oder Gutter Twins – nun verhilft es „The Blue God“ zu einer britischen Psychedelic-Pop-Großtat, angereichert mit nonchalanten Singalongs, Slidegitarren und TripHop mit Sixties-Anleihen. Pikanterweise erscheint ihr zweites Soloalbum nahezu zeitgleich mit dem neuen Werk ihres ehemaligen Partners Tricky.

„Beim Debüt („Quixotic“ von 2003) dauerte es manchmal Wochen, um eine Entscheidung zu treffen. Diesmal ging alles viel schneller, mit entsprechend mehr Energie“, freut sich die 33-Jährige. Großen Anteil an der Qualität hat sicherlich auch Brian Burton alias Danger Mouse, der die Produktion übernahm und erneut seine unbestrittenen Fähigkeiten an den Reglern unter Beweis stellte. Mit viel Gespür fürs Detail ließ Burton einen Klangraum entstehen, den Topley Bird ungemein differenziert auszufüllen weiß.

Auch inhaltlich: „Ich war es als Jugendliche nicht gewohnt, mit meinen Emotionen in die Öffentlichkeit zu gehen“, so die Sängerin. „Als Musikerin lernt man, damit umzugehen. Ebenso mit der Live-Situation, wenn man nicht mehr im Hintergrund singt, sondern direkt im Rampenlicht. Über diese Entwicklung bin ich glücklich.“