Mia auf der delta radio-Bühne, Halle400

 

Die Frage darf erlaubt sein: Sind Mia das in Songs verpackte Produkt einer cleveren Marketingstrategie oder authentische, Musik gewordene Jugendwut? Nach dem Konzert auf der delta radio-Bühne ergibt sich wohl die Pattsituation: Die Berliner sind beides.

Wie keine andere deutschsprachige Band treffen Mia den Zeitgeist und spiegeln eine Entwicklung wider, die weit über eine Grand Prix-Vorentscheid-Bekanntheit hinaus geht. Im Mittelpunkt steht bei dem Quintett eindeutig Sängerin Mieze, die - anfangs in kräftiges Rosa gekleidet - nur so vor Energie, Emotionen und Charisma strotzt. Leicht hysterisch überdreht, zieht sie alle Register der Bühnenpräsenz, rudert mit den Armen und weiß das Publikum sofort auf ihre Seite zu holen. Ein Publikum, das in der sehr gut gefüllten Halle400 bei „Pro Test“ lauthals den Widerstand besingt, aber nicht auf die Barrikaden steigt; das den Pop-Anteil in dem Electropunk goutiert, aber Charts und Mainstream allgemein skeptisch gegenüber steht.

Mia gastieren zum ersten Mal in Schleswig-Holstein, aber sicher nicht zum letzten Mal: Zu enthusiastisch werden Songs der beiden bisherigen Platten gefeiert und die Texte Zeile für Zeile skandiert. „Alles neu“, „Komm mein Mädchen“ oder „Blaue Flecken“ zeigen eine bestens eingespielte Band mit runder Performance, die es auch in Miezes zweimaligen Umkleidepausen herzhaft rocken lässt. Gunnar am Schlagzeug, Bob am Bass sowie Andi und Ingo an den Gitarren spielen aber im Vergleich zum weiblichen Energiebündel doch nur eine untergeordnete Rolle. Deren Stimme hat - ganz dem Klischee einer Berliner Göre entsprechend - sicher keine schönes, aber zumindest ein eigenes Timbre.

In den Ansagen völlig außer Atem und zart ins Mikro schnaufend verkündet sie ihre Liebe zum Leben, den Hass auf Krieg und dass sie verknallt sei. Wie schön, zumal die Songs „Hungriges Herz“ mit Ohrwurm-Refrain oder „Was es ist“ in klavierfreier Version sich um Herzensangelegenheiten drehen. Politisch absolut korrekt gibt sich die neue Single „Ökostrom“ - im Gegensatz zu den Vorwürfen, Mia würden verstärkt Deutschtümelei betreiben. Aber die Diskussion bleibt heute in den knapp zwei Stunden unangetastet, zum Glück.