Mia. kommen mit elf neuen Songs und offenherzigen, frechen Texten in die Sparkassen-Arena

Lasst uns tanzen

 

Kiel - Nein, keine Interviews im Vorfeld der Konzerte. „Die Band will sich ganz auf die Fortführung ihrer Tour konzentrieren“, lautet die Absage der Booking-Agentur. Was auf den ersten Blick wie bornierte Starallüren klingt, hat einen plausiblen Hintergrund: Beinahe alle Musiker bei Mia. plagte jüngst eine schwere Grippe.

Schlagzeuger Gunnar Spies musste sogar mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus. Geplante Konzerte in Dortmund, Erfurt und München wurden verschoben - Kiel scheint gesichert. Also: Willkommen im Club!

Mia. sind größer geworden. Größer als das alte Zirkus-Zelt, mit dem sie 2006 durch die Lande zogen und Frontfrau Mieze Katz mit zahlreichen Kostümwechseln und artistischen Showeinlagen auf einer Schaukel in luftiger Höhe für Aufsehen sorgte. Das Zelt liegt jetzt zusammengefaltet in der Kiste. Stattdessen begrüßen Mieze Katz, Gitarrist Andy Penn, Keyboarder Ingo Puls, Schlagzeuger Gunnar Spies und Bassist Robert „Bob“ Schütze ihre treuen Fans im Club.

Ihre Sturm- und Drangphase hat die Berliner Band endgültig hinter sich gelassen, indem sie mit jedem Album ein Stück eingängiger wurde und mittlerweile auch Freunde von Klee, Rosenstolz oder Polarkreis 18 anspricht. Noch vor fünf Jahren polarisierten Mia. wie kaum eine andere deutsche Gruppe und boten zwischen ungezügelter Euphorie und totaler Ablehnung nur wenig Spielraum. Mit dem angekündigten Ziel, den Nationalstolz in Deutschland neu zu belegen, nahmen sie sich zu Provokationszwecken ein brisantes und bewusst kontroverses Thema vor.

Der Erfolg gibt ihnen recht: Nach dem Album "Stille Post" gelang ihnen der endgültige Durchbruch, die Gemüter beruhigten sich und das öffentliche Interesse widmete sich dem Tagesgeschehen. Nur die Zahl derer, die sich eine Konzertkarte und die dazugehörige CD kaufen, steigt kontinuierlich.

Als Mia. anfingen, an neuen Liedern zu arbeiten, gab es keine Reiseroute. Es gab anscheinend nur einen Zettel, der im Studio hing und auf dem stand: „Lasst uns tanzen“. Und es gab die Erkenntnis, dass man nach elf Jahren mehr war als Freunde, mehr als ein künstlicher Raum. Also wurde getanzt, ohne Regeln: „Menschen, die alleine Musik machen oder komponieren, kennen ihre Lieder bereits, wenn sie sie im Studio aufnehmen. Sie kennen sie aus ihrem Kopf. Mia. sind ein Team. Ein Kreativ-Ameisenhügel. Wenn wir miteinander Musik machen, hört jeder an jedem Tag die eigene Musik zum ersten Mal.“

Folglich vollführen Sängerin Mieze Katz und ihre vier Mitstreiter auf den elf neuen Songs eine erneute Gratwanderung zwischen Pop, Rock und Disco, inklusive der gewohnt frechen und offenherzigen Texte. Nur verpacken sie ihre Botschaften mittlerweile deutlich subtiler. Vieles dreht sich inhaltlich um private Angelegenheiten und die Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit, sei es in der Single "Mein Freund" oder den sehr eingängigen Stücken "Du" und "Magisch".

Für die Band ist der im Albumtitel beschriebene Club „ein Raum voller Trost suchender und Liebe findender dummer Jungs und starker Frauen. Und umgekehrt.“ Und wenn Mieze Katz ihrer Live-Energie und ihren Emotionen freien Lauf lässt, dann könnte selbst die große Sparkassen-Arena zu so einem Raum werden.

KN-Online