Micatone im Luna Club

Wenn die musikalische Synthese aus eigentlich widersprüchlichen Elementen eine Band in eine höhere Ebene befördert, dann spricht dieses Phänomen für die beteiligten Musiker und ist zugleich äußerst reizvoll in der Konzertsituation. Bei Micatone aus Berlin bestand die Synthese in der Verschmelzung von Live-Instrumentierung und elektronisch eingestreuten Samples. Im Luna Club – von seiner Ideologie her wie geschaffen für diese Verknüpfung – konnte das positive Resultat bestaunt werden.

Dabei war der Start eher unglücklich verlaufen: Ein Konzertbeginn weit nach Mitternacht und die anfänglich verhaltene Resonanz beim Publikum mündeten in der flapsig-ironischen Ansage von Sängerin Lisa Bassenge „Ach, ihr klatscht ja doch!?“. Im Laufe des Programms wußten sich beide Seiten jedenfalls erheblich zu steigern. Zumal es nicht schwerfiel, sich von der groovigen Mischung aus Breakbeats, Jazz, Funk und südamerikanischer Leichtigkeit anstecken zu lassen und sich ganz der Tanzlust hinzugeben. Paul Kleber am elektrisch verstärkten Kontrabaß und Schlagzeuger Tim Kroker gaben die rhythmische Richtung an, während für die harmonischen Ideen Sebastian Demmin und Boris Meinhold an Keyboard und Gitarre sorgten. Letzterer war es auch, der dem Sampler zusätzliche Beats, Vocals und sonstige klangfüllende Sounds entlockte; keineswegs als Störfaktor oder künstliches Extra, sondern als homogene Ergänzung zu den Instrumenten.

Über allem thronte der samtene und zugleich druckvolle Gesang von Lisa Bassenge, die darüber hinaus mit einer faszinierenden Bühnenpräsenz die Blicke auf sich zog. Höhepunkte im Set waren unter vielen „Playmobile Soldier“ und „Step into the Gallery“ vom aktuellen Album „Nine Songs“, dessen Songs beinahe komplett vorgestellt wurden. Nicht nur beliebige Anhängsel, sondern einen gefeierten Abschluß bildeten die Zugaben. Henrik Drüner